Behutsam setzt Frank Nutschan das federleichte Dachteil aus Kunststoff auf den Rohbau des RS2000 auf. Wenn alle 1000 Teile an ihrem dafür vorgesehenen Platz angebracht sind, wird der 107 000 Euro teure Sportwagen der Marke Melkus an einen Autoliebhaber ausgeliefert. „An der Grundentstehung eines solchen Sportwagens mitwirken zu können, ist schon toll“, schwärmt Nutschan. Der Monteur gehört seit 1971 zum Inventar der traditionsreichen Automarke Melkus und hat bereits am legendären Melkus RS1000 mitgewirkt – dem einzigen Sportwagen der DDR. Die Automarke will jetzt wieder in den Motorsport einsteigen.„Zum ersten Mal seit 1990 nehmen wir wieder mit einem eigenen Wagen als Marke Melkus am Motorsport teil“, sagte Sepp Melkus, Enkel von DDR-Rennsportlegende Heinz Melkus. Am 8. April startet Melkus in der Rennserie „Touring Car Championship“ (TCC) des Deutschen Motorsport Verbundes und wird in einem mehr als 40-köpfigen Starterfeld antreten. Für den 26-jährigen Juniorchef ist dies die Erfüllung eines Traums. Großvater Heinz Melkus war dem Rennsport ebenso verfallen wie Vater Peter Melkus, der seit seinem 17. Lebensjahr als Rennfahrer seine Runden zog. In diesem Jahr nun kann die lange Familientradition an den jüngsten Spross weitergegeben werden.

Auf dem Hockenheimring wird Sepp Melkus am 8. April in einen RS2000 einsteigen, der seit mehreren Wochen in der Dresdner Montagehalle für den Rennstart angefertigt wurde. Als Konstrukteur, Produzent und Fahrer in Personalunion hofft er in den acht Rennen auf einen möglichst gelungenen Wiedereinstieg. Auf die familieneigene Unterstützung und Erfahrung möchte er dabei allerdings nicht verzichten. „Mein Vater wird als Teamchef auch dabei sein“, sagt Sepp Melkus.

Bei einem neuen Melkus-Modell und dem Einstieg in den Rennsport möchte es der 26-Jährige allerdings nicht belassen. „Es soll eher der Startschuss für die Wiederbelebung der Marke sein“, hofft er. Bis spätestens 2012 sei die Fertigung eines weiteren Modells geplant. Besonders die Nostalgiker unter den Autofreunden wird diese Ankündigung freuen. „Zu DDR-Zeiten war Melkus für viele immer ein Traum“, sagt der Juniorchef. Jahrzehnte später können sie sich mit dem nötigen Kleingeld den Jugendtraum vom schnellen Flitzer nun erfüllen.

1955 begann der damalige Fahrschullehrer Heinz Melkus mit dem Bau einer Kleinserie von Formel-3-Rennwagen. Aus modifizierten Bauteilen eines Wartburg-Modells baute Melkus zwischen 1969 und 1979 ganze 101 Exemplare des RS1000. Zusätzlich stellte der begeisterte Motorsport-Fan mehrere Sportwagen her und ging damit bei Rennen an den Start.

Sein Enkel Sepp will diese lange Tradition der Rennsport-Familie fortsetzen. 2006 gründete er die Dresdner Firma Melkus Sportwagen KG und baut seitdem mit 15 Mitarbeitern am RS2000, dem modernen Nachfolgemodell des RS1000. Seit 2009 fahren die ersten vier Exemplare mit bis zu 250 Stundenkilometern über Deutschlands Straßen. „Jedes Auto rollt als Unikat aus unserer Montagehalle“, sagt Melkus. Die Fahrzeuge würden nur auf Bestellung produziert und an die Wünsche der Kunden ausgerichtet. Sogar die Sitze seien individuell an die Körperformen der Kunden angepasst.