Dass sich das Interesse an den ideologischen Zeitzeugen zementiert, kommt nicht überraschend. Der hektische Abriss einiger Denkmäler kurz nach der Wende hat bei manch gelerntem DDR-Bürger zu einer Art Solidarisierung geführt. Für andere schienen die Abrisskosten in keinem Verhältnis zur "Bedrohung" durch steinerne oder bronzene Arbeiterführer zu stehen. Inzwischen halten auch die Denkmalschutzbehörden ihre Hand über einige Monumente.
"Es wird nicht mehr prinzipiell abgelehnt, sondern kritischer hinterfragt", sagt der Dresdner Stadtsprecher Karl Schuricht. Das Landesamt für Denkmalpflege macht das wachsende Interesse am Generationenwechsel fest. "Wer die Zeit persönlich miterlebt hat, bringt Positives und Negatives in die Betrachtung ein. Diejenigen, die keine Erinnerung daran haben, gehen unbefangener damit um", glaubt Abteilungsleiter Hartmut Ritschel.
Schuricht verweist auf eine Altlast, die junge Dresdner nicht mehr kennen: Das Lenindenkmal auf der Prager Straße wurde 1991 aus der Elbestadt verbannt. Der "Rote Bahnhofsvorsteher" - so nannten die Dresdner ihren Lenin - landete bei einer Firma in der Nähe von Ulm. Für den Abtransport hatte sich der Stadtrat stark gemacht. "Die Diskussion um das Lenindenkmal wäre heute mit Sicherheit nicht so eindeutig im Ergebnis", meint Schuricht.
Die Dresdner gingen damals gründlich zur Sache und folgten dem Ratschlag einer "Kommission für den Umgang mit den bildkünstlerischen Zeitzeugen des SED-Regimes". Von 105 "ideologisch geprägten Objekten" sollten 34 am ursprünglichen Ort bleiben. Dazu gehörte ein Monument zum Vereinigungsparteitag von KPD und SPD (1946) am Kurhaus Dresden-Bühlau. Die dreieinhalb Meter hohe Granitstele wurde später jedoch von Baufahrzeugen zerstört, angeblich versehentlich.
Zwickau ist da wachsam. "Schmierereien werden meist umgehend von aufmerksamen Bürgern angezeigt. Es gibt noch genügend Menschen, die mental mit dem antifaschistischen Widerstand, den Anfängen der Sozialdemokratie und auch dem "ehrlichen Kommunismus" verbunden sind", sagt Stadtsprecher Claus Walther. Hier erinnern noch Ehrenhaine für gefallene Soldaten und ein Denkmal für die Verfolgten des Nazi-Regimes an die dunkle Zeit vor Gründung der DDR.
Hoyerswerda hat nicht durchweg positive Erfahrungen mit den DDR-Monumenten gemacht. "Es gibt keine Achtung mehr vor ihnen", sagt Stadtplaner Michael Köllner und verweist auf eine Büste vom ersten DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck. Sie musste regelmäßig von Farbe befreit werden. Einen ideologischen Hintergrund für die Schmierereien sieht Köllner nicht. Die Sprayer habe wohl eher der Stein an sich interessiert. Inzwischen ist die Büste kaputt und eingelagert.
In Dresden hat die Verwaltung auf Bitten von Einwohnern und Touristen ein lange Zeit verhülltes Relikt wieder sichtbar gemacht - das Wandbild "Weg der Roten Fahne" am Kulturpalast. Ein dichtes grünes Netz hatte Passanten auf der Schlossstraße vor dem Bild geschützt. Nach offizieller Lesart drohten Platten des Kunstwerkes abzufallen. Inzwischen macht ein transparentes schwarzes Tuch den noch immer siegreichen Weg der roten Fahne wieder erkennbar.