Je näher der 13. März als Termin für die Abgabe der Angebote bei dieser lukrativen Ausschreibung von rund zwei Dritteln der derzeitigen Regionalverkehrsleistung auf den Schienen Brandenburgs und Berlins rückt, umso mehr erhöht die Deutsche Bahn den Druck. Bereits unmittelbar nach Veröffentlichung des Vergabeverfahrens im Europäischen Amtsblatt im Oktober 2008 verkündete die Leitung von DB Regio in Potsdam durch ihren Geschäftsführer Peter Buchner, rechtliche Schritte dagegen einleiten zu wollen. Schon damals wurde der Hammer der Stellenstreichung geschwungen: Rund 1000 Plätze auf Lokomotiven und in den Zügen würden wegfallen, wenn die Ausschreibung und damit der Deutschen Bahn die Regionalzugleistungen verloren gehen. Jetzt schlüsselte DB Regio diese Zahl auf: In Cottbus könnte es insgesamt 310 Lokführer, Begleitpersonal und Werkstattmitarbeiter treffen, im Kreis Oberspreewald-Lausitz 84, insgesamt in Brandenburg 784. Das gilt für den Fall, wenn die Deutsche Bahn Regionallinien an die Konkurrenz verliert. Dabei wird allerdings nicht gesagt, dass durch die anderen Bahngesellschaften neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Nach Meinung der Deutschen Bahn ist es "unfair", bei der bislang größten Regionalbahnausschreibung in Europa in einem Umfang von rund 22 Millionen Zugkilometern und 1,3 Milliarden Euro vier Teillose auszuschreiben. Dabei gehören die besonders lukrativen RegionalExpress-Linien RE 1 Cottbus-Frankfurt (Oder)-Berlin-Magdeburg und RE 2 Cottbus-Berlin-Rathenow zu unterschiedlichen Losen, für die sich ein Bewerber nicht gleichzeitig bewerben kann. Genau darin liegt der springende Punkt: Von vornherein wird das jetzige Monopol der Deutschen Bahn im Wettbewerb gebrochen, alle einträglichen Regionallinien zu bedienen. Mit diesem Monopol, das der DB durch den brandenburgischen Ex-Verkehrsminister Hartmut Meyer (SPD) 2002 in einem langfristigen Verkehrsvertrag im Umfang von über einer Milliarde Euro zugesprochen wurde - Kritiker nannten es "zugeschanzt in Verbindung mit der Zusicherung auf einen guten dotierten Beraterposten bei der DB" -, verdiente die Deutsche Bahn bislang gut. Sie konnte nach Erkenntnissen des Fahrgastverbandes beispielsweise mit der steten Steigerung der Passagierzahlen auf der Linie 2 Cottbus-Berlin - bis zu 6000 pro Tag - oder der RE-Linie 1 zwischen Frankfurt (Oder) und Berlin jahrelang den defizitären Fernverkehr der Bahn stützen und zugleich die Regionalbahnstrecken in Brandenburg vernachlässigen und herunterfahren. Diese Monopolstellung soll nun durch den Wettbewerb auf der Schiene, der für alle Bahngesellschaften wie die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft oder Veolia dieselben Bedingungen bringt, aufgebrochen werden, sagt Brandenburgs Verkehrsminister Reinhold Dellmann (SPD).