Dadurch gerieten auch unbescholtene Bürger in das Visier der Ermittlungsbehörden, sagte Schaar gestern vor Beginn einer Konferenz der Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern in Magdeburg dem Radiosender HR-Info. "Man muss sich fragen, ob der große Datenstaubsauger wirklich geeignet ist, die Sicherheit bei der WM zu verbessern."
Auch Sach sen- Anhalts Datenschutzbeauftragter Harald von Bose erneuerte seine Kritik an den Überprüfungen. Er bezweifelt, ob es dafür eine ausreichende Rechtsgrundlage gibt. Rechtsstaatliche Prinzipien, Transparenz und Verhältnismäßigkeit müssten gewahrt bleiben, sagte er.
Sinnvoller als pauschale Überprüfungen seien gezielte Kontrollen verdächtiger oder auch völlig unbekannter Personen, sagte Schaar. Die Überprüfung langjähriger Mitarbeiter von Fanprojekten mache dagegen kaum Sinn. Zudem könnten Fußballvereine oder Deutscher Fußballbund (DFB) für ihre Helfer bürgen, sodass diese dann nicht mehr überprüft werden müssten.
Bei ihrem zweitägigen Treffen in Magdeburg sprechen die Datenschützer außerdem über die geplante Videoüberwachung bei Übertragungen von WM-Spielen auf Großbildleinwänden. Diese Kameraüberwachung, für die die privaten Veranstalter zuständig sein sollen, wird von Datenschützern ebenso kritisch gesehen wie die Sicherheitsüberprüfungen. Ein weiteres Thema der Konferenz ist die mögliche Nutzung von Maut-Daten für die Ver bre chens be kämpfung.
Unterdessen warnten Fachleute auf einem Datenschutzkongress in Ulm vor dem Missbrauch zunehmender Überwachungsmöglichkeiten. "Die Hemmschwelle der Behörden, auf Daten zugreifen zu wollen, schwindet", sagte Hansjürgen Garstka von der Europäischen Akademie für Informationssicherheit und Datenschutz. Als Beispiel nannte er die geplanten elektronischen Krankenakten und Gesundheitskarten. Bürger und Datenschützer müssten sich fragen, was mit den Daten passieren könne und wer potenziellen Zugriff habe. (dpa/roe)
Die Thematik im Internet:
www.bfd.bund.de