Er sehe mit dieser Vereinbarung "Licht am Ende des Tunnels", um dem Ärztemangel zu begegnen, sagte Baaske. Außerdem soll eine zentrale Ruf-Nummer für Not- und Bereitschaftsdienste eingerichtet werden, so dass Ärzte in der Nacht und an Wochenenden leichter erreicht werden können.
Der Ärztemangel im Land ist akut: In einigen Landkreisen liegt der Versorgungsgrad bereits bei nur 50 Prozent - also bei der Hälfte des Bundesdurchschnitts. Derzeit werden händeringend 159 Ärzte gesucht, zumeist in den Randregionen - Tendenz steigend. Allein in der Landeshauptstadt Potsdam herrscht ein Zulassungsstopp. Zwar gibt es in der Region Berlin-Brandenburg rund 1300 arbeitslose Ärzte, fast alle in der Hauptstadt. Trotzdem ist die Bereitschaft, in der Provinz eine Praxis zu übernehmen, nahe Null. "Man will nicht Landarzt werden", so Baaske. Die Arbeitsämter berichteten von Reaktionen wie: "Wir ziehen nicht in die Pampa." Und das habe vielerlei Gründe. Dazu zählen die extrem langen Wege für Hausbesuche, eine extreme Arbeitsbelastung, da wegen des Ärztemangels die Praxen in den Randregionen deutlich mehr Patienten betreuen müssen, und das im Vergleich geringe Einkommen. Baaske betonte, dass die Gehälter inzwischen bei 96 Prozent des Westniveaus lägen, aber dafür müssen die Ost-Ärzte ein Drittel mehr arbeiten.
Mit der Vereinbarung wollen Kassenärztliche Vereinigung und AOK das Landärzte-Dasein zumindest erträglicher machen. Danach will die AOK zum einen höhere Kilometergelder für Hausbesuche zahlen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) versucht zum anderen, mit individuell vereinbarten Umsatz-Garantien Hemmschwellen zur Niederlassung in der Provinz abzu bauen. Das Geld komme aus dem Gesamttopf und werde "innerärztlich umverteilt", so KV-Sprecher Ralf Herre. Die Ärzte im Speckgürtel würden künftig die zusätzlichen Leistungen für ihre Kollegen in den Randregionen mitfinanzieren. Die KV betrete mit der Vereinbarung "Neuland", betonte Herre. Dies sei aber notwendig, weil sich ohne Zuzug neuer Ärzte die Situation in den Randregionen weiter verschärfe. Baaskes Weihnachts-Botschaft: "Ärzte, lasst Euch in Brandenburg nieder. Es ist ein schönes Land. Ihr findet ein gutes Auskommen und freundliche Patienten."

Zahlen & Fakten Ärztemangel
 Allein im Spree-Neiße-Kreis könnten sich sofort 23 Hausärzte , zwei Neurologen, zwei Psychotherapeuthen und zwei Anästhesisten niederlassen. Eine ähnliche Situation gibt es im Norden des Landes, wo es auf 60 Kilometern zwischen Angermünde und Schwedt nur eine Hausarzt-Praxis gibt. Hinzu kommt, dass 58 Prozent aller Hausärzte in Brandenburg älter als 50 Jahre sind. Viele werden in einigen jahren aus Altersgründen aufhören, was mangels Nachfolge zu weiteren Praxisschließungen führt.