Bundestagspräsident Norbert Lammert hat recht behalten. Zwei Transall-Maschinen reichten als Unterstützung für den Kampf der französischen Verbündeten gegen islamistische Rebellen in Mali "sicher nicht" aus, sagte er vor gerade einmal zweieinhalb Wochen. "Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass irgendjemand das für den deutschen Beitrag hält."

Der CDU-Politiker kassierte für die Äußerung heftige Kritik aus der Koalition und überraschend viel Zustimmung aus der Opposition. Inzwischen hat sich die Vorhersage des Parlamentspräsidenten in beeindruckender Weise bewahrheitet.

Während zu Beginn des deutschen Mali-Einsatzes am 17. Januar nur 14 Soldaten an Bord der beiden Transall-Maschinen beteiligt waren, haben sich die Zusagen der Bundesregierung inzwischen auf rund 150 Soldaten mehr als verzehnfacht.

Zunächst kamen eine dritte Transall-Maschine und ein Lufttransportstützpunkt in der senegalesischen Hauptstadt Dakar mit inzwischen 65 Soldaten hinzu. Seit Dienstag ist auch klar, mit wie vielen Soldaten sich Deutschland an der EU-Ausbildungsmission beteiligt: 40 Spezialisten für die Ausbildung malischer Pioniere und 40 Ärzte und Sanitäter für den Betrieb eines Feldlazaretts.

Der deutsche Anteil an der Mission mit insgesamt 500 Soldaten ist damit größer als ursprünglich erwartet. Von einer Salami-Taktik bei der Truppenentsendung will das Verteidigungsministerium trotzdem nicht sprechen. "Das ist eine zeitliche Salami", sagt Sprecher Stefan Paris. Die einzelnen Komponenten haben sich nach seinen Schilderungen erst nach und nach ergeben.

Das Auswärtige Amt sieht das genauso: "Niemand in der Bundesregierung ... hat eine Kristallkugel", sagte der stellvertretende Sprecher Martin Schäfer. Mit dem deutschen Beitrag in der jetzt geplanten Größe zeigte er sich zufrieden. "Die Bundesregierung hat sich in keiner Weise zu verstecken."

Trotzdem bleibt die Frage, warum die deutsche Bereitschaft zur Beteiligung am Mali-Einsatz zunächst sehr zurückhaltend kommuniziert wurde. Die Bundesregierung hatte anfangs vor allem mit dem starken deutschen Engagement in anderen Weltregionen wie Afghanistan argumentiert - auch mit Verweis darauf, dass Frankreich seine Kampftruppen aus Afghanistan entgegen der Nato-Abmachung bereits abgezogen hat.

Jetzt ist Deutschland auch in Mali vorne mit dabei, was die Unterstützung des Kampfes gegen die Rebellen angeht. Der Einsatz deutscher Kampftruppen bleibt aber weiterhin tabu.

Auch zum Schutz der Ausbildungsmission sollen keine deutschen Soldaten bereitgestellt werden. Welche Länder diese Aufgaben übernehmen, soll in der kommenden Woche von der EU entschieden werden. "Wir machen es jedenfalls nicht", betonte Ministeriumssprecher Paris.

Der Bundestag wird bis Ende Februar über das deutsche Engagement befinden. In der vergangenen Woche hatte sich in einer Parlamentsdebatte bereits breite Zustimmung abgezeichnet.

Dass bis zum Bundestagsbeschluss noch weitere deutsche Zusagen hinzukommen, ist ehe unwahrscheinlich. Bisher gebe es keine Anhaltspunkte dafür, erklärte Außenamtssprecher Schäfer.