Das Suhler Clubhaus im Industriepark Schwarze Pumpe wird auf seine alten Tage noch zum Dauerbrenner in Sachen Strukturwandel in der Lausitz. Nach dem Auftakt der "Reviertransfer"-Konferenzen der Lausitzrunde im Dezember 2016war am Montag die "Cleantech Initiative Ostdeutschland" (siehe Infobox) zu einem Zeitpunkt vor Ort, der kaum besser gewählt sein konnte.

Denn der Energiekonzern Leag hatte mit seinem Revierkonzept Lausitz gerade Weichen für die endliche Kohleverstromung in der Region gestellt - mit dem deutlichen Hinweis darauf, dass die Leag selbst Begleiter hin zu neuen Geschäftsfeldern sein will. Cleantech, die sauberen und Zukunftsfähigkeit versprechenden Technologien können dabei helfen.

Daran hat der Abteilungsleiter Energie des Potsdamer Wirtschaftsministeriums, Klaus Freytag, keinen Zweifel gelassen und das "Flaggschiff BTU" in den Fokus gerückt. Allerdings seien zuerst Unternehmen der Region gefragt, "damit gemeinsam mit den Forschern Projekte angeschoben und Fördermittel fließen können".

Welches Potenzial in der Region steckt, hat die Ehrung der Cleantech-Gewinner mit den innovativsten Ideen am Nachmittag gezeigt. Sechs der acht Siege und Zweitplatzierte gingen an die BTU Cottbus-Senftenberg. So im Bereich Kreislaufwirtschaft an Jonas Krenz und Kevin Wartig für ihre "Entwicklung einer mobilen Technologie für die sichere Vorortzerkleinerung von Windkraftanlagen-Rotorblättern". Oder an Moritz Münch, der mit dem Partnerunternehmen Leag die "Herstellung eines Bodensubstrates auf Basis von Eisenhydroxidschlamm" erforschte.

Für die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), würden die eingereichten Ideen "auf beeindruckende Weise zeigen, was in der Lausitz steckt". Nun müssten Unternehmen und Politik aktiv daran gehen, dieses Potenzial weiter zu erschließen. "Wenn das gelingt, ist mir um die Zukunft der Lausitz nicht bange", betonte die Staatssekretärin.

Den pessimistischeren Part hat unterdessen Professor Joachim Ragnitz übernommen - nicht zum ersten Mal. Seine aktualisierte Studie "Lausitz auf der Kippe - Bestandsaufnahme und Perspektiven" des ifo Instituts, Niederlassung Dresden, räumt zwar mit Vorurteilen gegenüber der Lausitz auf. So liege die Lausitz beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ostdeutschen Durchschnitt. Das treffe auch auf die Wirtschaftskraft und die Arbeitslosigkeit zu. Die Lausitzer Industrie sei sogar stärker als der Schnitt im Osten.

Und das, so Ragnitz, sei nicht auf die Kohle- und Energiewirtschaft zurückzuführen. Denn nur drei Prozent der Beschäftigten würden im Bereich Bergbau und Energie arbeiten. Strukturpolitik müsse aus Sicht des Wissenschaftlers deshalb punktuell ansetzen. Etwa in Spree-Neiße, wo es jeden zehnten Arbeitsplatz in der Kohle gebe. "Das größte Problem der Lausitz ist die demografische Entwicklung", verweist er darauf, dass bis 2030 nur der Dahme-Spreewald wachsen werde. Weiter weg von Berlin gebe es nur schrumpfende Regionen.

Bis 2030 wird es der ifo-Studie zufolge zwischen Görlitz, Lübben und Herzberg 130 000 Erwerbspersonen weniger geben. "Es wird an Arbeitskräften und Nachfrage fehlen", so Ragnitz. Aufzufangen sei das nur mit höherer Produktivität und Innovationen. Cleantech könne ein Baustein sein. Vor allem aber müssten die Impulse von den Unternehmen selbst kommen. Im Suhler Clubhaus in Schwarze Pumpe dürfte auf diesem Weg noch so manche Konferenz-Runde zu drehen sein.

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Ziel der Cleantech Initiative Ostdeutschland ist es, über Branchen- und Landesgrenzen hinweg Ostbetriebe mit sauberen Technologien sowie die Forschung miteinander in einem nachhaltigen Netzwerk zu bündeln. Ostdeutschland soll als bedeutender Cleantech-Standort gestärt werden, um Wachstum zu generieren. Cleantech ist ein Schlagwort, das Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen beschreibt, welche Produktivität oder die Effizienz steigern und gleichzeitig Kosten, natürliche Ressourcen, den Energieverbrauch, Abfälle oder die Verschmutzung reduzieren.