Denn wenn Schiedsrichter oder Fußballer Spiele manipulieren, dann können Glücksspielunternehmen wenig dagegen ausrichten, ob sie nun staatlich sind oder privat. Dennoch werden die Karlsruher Richter, auf deren Spruch am kommenden Dienstag die Wettbranche große Hoffnungen setzt, den Wirbel um Schiedsrichter Robert Hoyzer aufmerksam verfolgt haben. Nicht ausgeschlossen, dass ihre Wertschätzung für den Monopolisten dabei gelitten hat.
Denn als das Landgericht Berlin im November sein Urteil gegen Hoyzer verkündete, stellte es dem staatlichen Wettanbieter nicht unbedingt ein gutes Zeugnis aus. Zur Begründung, warum der zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilte Ante Sapina, der mutmaßliche Drahtzieher des Skandals, nicht eine noch härtere Strafe bekommen hat, heißt es in der Urteilsbegründung: "Strafmildernd hat sich darüber hinaus ausgewirkt, dass die Geschädigte Oddset ein Mitverschulden trifft." Der Strafkammer sei es "unverständlich", warum die Verantwortlichen nicht Verdacht geschöpft hätten.

Doppelmoral beklagt
Für das Karlsruher Verfahren mag das atmosphärische Bedeutung haben. Immerhin rechtfertigen die Bundesländer im Lotteriestaatsvertrag ihr Monopol auch damit, es müsse sichergestellt werden, "dass Glücksspiele ordnungsgemäß und nachvollziehbar durchgeführt werden".
Im Zentrum steht freilich eine ganz andere Gefahr - nämlich die Frage, ob sich per Staatsmonopol den ruinösen Nebenwirkungen des Glücksspiels besser vorbeugen lässt. Denn das zentrale Argument, mit dem der Staat das Glücksspielangebot für sich reserviert, lautet: Das Wetten und Spielen lässt sich ohnehin nicht verbieten - besser also, der Staat lenkt "den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen", wie es im Staatsvertrag heißt.
Aus Sicht der Beschwerdeführerin, einer Münchner Buchmacherin, die ein Stück vom Oddset-Kuchen abhaben möchte, läuft das auf Doppelmoral hinaus. In der Verhandlung im November warf ihr Rechtsanwalt Ronald Reichert den Ländern vor, ihnen gehe es nur ums Geld. Angeblich wolle der Staat das Glücksspiel eindämmen, gleichzeitig weite die staatliche Lotterieverwaltung ihr Angebot seit Jahren aus.

Viele Wettanbieter
Auch Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier sah hier die Kernfrage: Für die Zulässigkeit des staatlichen Monopols spiele es eine Rolle, "ob der Glücksspielmarkt tatsächlich eingedämmt werden soll oder ob eine Maximierung der Staatseinnahmen angestrebt wird", gab er zu bedenken.
Außerdem ist das "Monopol" längst keines mehr. Auf dem deutschen Markt tummeln sich Anbieter wie betandwin, die Lizenzen aus DDR-Zeiten herüberretten konnten. Und die machen Oddset mit hohen Quoten und Live-Wetten kräftig Konkurrenz: Die Umsätze des staatlichen Wettanbieters haben seit 2002 von 540 auf 432 Millionen Euro im vergangenen Jahr abgenommen - Tendenz weiter sinkend. Hinzu kommen ausländische Inter net angebote, die ohnehin keine Grenzen kennen. Wegen der mächtigen Marktkräfte spricht nach Ansicht von Tilman Becker, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel an der Uni Hohenheim, der Spielerschutz für die Staatsunternehmen. "Das staatliche Monopol agiert nicht so offensiv." Zwar ist Spielsucht bei Sportwetten bisher wenig verbreitet. Allerdings warnen Experten vor den Risiken der Live-Wetten: Je dichter das Ereignis - der nächste Elfer, das erste Tor - auf die darauf zielende Wette folgt, desto größer ist der "Kick" und damit die Suchtgefahr.