Gerade noch hatten junge Leute getanzt und sich amüsiert, da detonierte um 1.40 Uhr eine mit Eisenteilen durchsetzte Bombe in dem bei US-Soldaten beliebten Lokal. Bei dem Terroranschlag auf die Berliner Discothek "La Belle" am 5. April 1986 starben drei Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Das Attentat war eines der schwersten auf amerikanische Einrichtungen in der Bundesrepublik. 20 Jahre nach dem Anschlag sagt der damalige Chefankläger Detlev Mehlis: "Die Opfer haben finanziell eine gewisse Genugtuung erfahren, der Fall ist juristisch aufgeklärt." Mehlis hat zuletzt im UN-Auftrag zu dem Mord am ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri ermittelt.

Libyscher Racheakt
Das Berliner Landgericht machte in seinem Urteil vom November 2001 Libyen und seinen Geheimdienst für den Bombenterror verantwortlich. Nach fast vierjährigem Prozess stand für die Richter fest: Leitende Mitarbeiter des libyschen Geheimdienstes hatten die Bluttat geplant. Der Anschlag galt als Racheakt gegen die USA, die zuvor zwei libysche Schiffe im Mittelmeer versenkt hatten. Die Ermittler fanden erst nach der Wende in Stasi-Unterlagen Hinweise auf den libyschen Geheimdienst als Urheber.
Vier Täter wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Die mit einem Palästinenser verheiratete deutsche Bombenlegerin Verena Chanaa bekam als Hauptangeklagte 14 Jahre Haft wegen Mordes, drei weitere Angeklagte wurden wegen Beihilfe zu Haftstrafen zwischen zwölf und 14 Jahren verurteilt. Die fünfte Angeklagte, eine Deutsche, wurde freigesprochen. Im Juni 2004 bestätigte der Bundesgerichtshof die Berliner Schuldsprüche.

Erst 2004 rechtskräftiges Urteil
Vergessen könnten die Betroffenen nie, sagt Opferanwalt Stephan Maigné. Dennoch seien die überlebenden Opfer und Angehörige der Toten erleichtert, dass es nach jahrelanger Anspannung ein rechtskräftiges Urteil gibt und damit auch der Weg für Entschädigungszahlungen frei wurde.
18 Jahre nach dem Anschlag unterzeichneten im September 2004 in der libyschen Hauptstadt Tripolis deutsche Opferanwälte und die Gaddafi-Stiftung die Vereinbarung zur Zahlung von 28,4 Millionen Euro für die zumeist deutschen Opfer. Vor einem Jahr flossen die letzten Gelder der Wohltätigkeitsorganisation, die von einem Sohn des libyschen Revolutionsführers Muammar el Gaddafi geleitet wurde.
Mit dem Vertrag wurde der Weg frei für die Normalisierung der Beziehungen Libyens zur Europäischen Union. Nur wenige Wochen nach der Entschädigungsvereinbarung für die "La Belle"-Opfer reiste der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in den Wüstenstaat und traf Gaddafi im Beduinenzelt.
Das "La Belle" an der Hauptstraße 78 im Stadtteil Schöneberg gibt es längst nicht mehr. In den Räumen der einstigen Diskothek werden heute Farben, Lacke und Tapeten verkauft. Eine Mahntafel an der Hauswand erinnert an die Terrornacht. Zum Jahrestag des Anschlags werden hier Kränze und Blumen zur Erinnerung niedergelegt.

Zum Thema Monika Harms
 Erstmals wird mit der Richterin Monika Harms eine Frau an der Spitze der Bundesanwaltschaft stehen. Die 59-Jährige wird voraussichtlich heute vom Bundeskabinett nominiert. Die Juristin machte sich unter anderem einen Namen, als sie im Juni 2004 einen Schlussstrich unter den Anschlag auf die Berliner Disko "La Belle" zog. Harms bestätigte nicht nur das Urteil gegen drei angeklagte Handlanger. Sie unterstrich zugleich die politische Dimension des Verfahrens und kritisierte, dass die eigentlichen Drahtzieher in Libyen zu finden seien und nicht vor Gericht gestanden hätten.