Immer wieder sind es in den Debatten um die Zugehörigkeit zum Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden die finanziellen Aspekte, die Stadtverordnete und Gemeindevertreter zweifeln lassen: Straßenschilder auf sorbisch, Zweisprachigkeit in Behörden, Ernennung eines Beauftragten für die Angelegenheiten der slawischen Minderheit. Auch in Calau ging die Abstimmung knapp aus. Wie Bürgermeister Werner Suchner (parteilos) erklärte, habe es acht Ja- und sechs Nein-Stimmen sowie drei Enthaltungen gegeben.

Nach Lübben und Wiesenburg wird die Stadt im Oberspreewald-Lausitz-Kreis nun einen Antrag beim Land stellen, denn das novellierte Brandenburger Sorbengesetz lässt die Möglichkeit der Aufnahme ins Siedlungsgebiet bis Ende Mai 2016 zu. In jenen Orten und Regionen werden die sorbische/wendische Sprache und Kultur besonders gepflegt.

Für den Sorbenbeauftragten der Potsdamer Landesregierung Martin Gorholt ist das Calauer Votum eine Ermutigung auch für weitere Kommunen, über eine Aufnahme in das angestammte Siedlungsgebiet zu diskutieren. "Sorbische Kultur und Zweisprachigkeit sind ein Alleinstellungsmerkmal im Süden Brandenburgs und tragen maßgeblich zur Attraktivität der Region bei", erklärt der Kultur-Staatssekretär.

Derzeit, so Gorholt, würden 28 Städte, Gemeinden und Gemeindeteile in Südbrandenburg zum angestammten Siedlungsgebiet gehören. Die Kommunen verpflichten sich damit, die Zweisprachigkeit in ihren Behörden sicherzustellen, deutsch-sorbische Straßenschilder aufzustellen und kommunale Sorben/Wenden-Beauftragte zu benennen.

Von Erleichterung nach der Zustimmung in Calau spricht der stellvertretende Geschäftsführer der Domowina (Bund Lausitzer Sorben) Markus Koinzer. "Wir wollen keine konfrontativen Aufnahmen", verweist er gegenüber der RUNDSCHAU darauf, dass auch der Sorbenrat im Landtag Anträge stellen kann, welche Kommunen ins Siedlungsgebiet sollten. Die Domowina schaue zurzeit vor allem auf Senftenberg, Forst, Neuhausen und Märkische Heide, wo noch kontrovers bis ablehnend diskutiert wird. "Wir wollen mithelfen, dass in den Kommunen eine Meinungsbildung stattfindet", sagt Koinzer.

Die Sorben/Wenden sind seit rund 1500 Jahren in der Lausitz ansässig. Sie haben sich trotz der Assimilierungsversuche früherer Herrscher und Regierungen ihre eigene Sprache und ihre von zahlreichen Festen und vielfältigem Brauchtum geprägte Kultur bewahrt. Die Länder Brandenburg und Sachsen und der Bund unterstützen die Bemühungen der Sorben/Wenden, ihre angestammte nationale Identität zu bewahren und zu entwickeln über eine Stiftung mit derzeit 18,5 Millionen Euro pro Jahr.