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| 02:43 Uhr

"Das schwarze Loch der Menschheit"

Mehr als 60 Abgeordnete der israelischen Knesset und Überlebende des Vernichtungslagers gedachten in Auschwitz-Birkenau der Opfer des Holocaust.
Mehr als 60 Abgeordnete der israelischen Knesset und Überlebende des Vernichtungslagers gedachten in Auschwitz-Birkenau der Opfer des Holocaust. FOTO: dpa
Auschwitz. Erinnerung an sechs Millionen ermordeter Juden am Ort des nationalsozialistischen Massenmords: Erstmals hat sich mehr als die Hälfte der israelischen Knesset zum Gedenken in Auschwitz versammelt. dpa/uf

Zusammen mit Holocaust-Überlebenden haben 61 Abgeordnete der israelischen Knesset am Montag im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau der Opfer des Holocaust gedacht. "Auschwitz wird für immer das schwarze Loch in der gesamten Menschheitsgeschichte sein", sagte Isaak Herzog, Fraktionschef der oppositionellen Arbeitspartei, in einer Ansprache.

In dem größten nationalsozialistischen Vernichtungslager wurden mindestens 1,1 Millionen meist jüdische Häftlinge ermordet; das Todeslager wurde am 27. Januar vor 69 Jahren von Soldaten der Roten Armee befreiten. Insgesamt ermordeten die Nationalsozialisten rund sechs Millionen Juden aus ganz Europa.

In Israel leben heute noch rund 193 000 Holocaust-Überlebende. Nie wieder dürften Menschen gleichgültig auf das Schicksal anderer reagieren oder vor Antisemitismus und Rassenhass resignieren, betonte der Abgeordnete Herzog, der auch an das Schicksal seiner in Auschwitz ermordeten Tante erinnerte. "Wenn wir die Hoffnung verlieren, dass eine bessere Welt aufgebaut werden kann, dann verlieren wir gegen Auschwitz."

Vor der Gedenkfeier hatten die Knesset-Vertreter mit mehr als 20 hochbetagten Holocaust-Überlebenden und Vertretern des israelischen Militärs das Stammlager Auschwitz besucht, wo unter anderem in den Sammlungen der Gedenkstätte Schuhe, Koffer und Haare der Ermordeten aufbewahrt werden.

In der Holocaust-Gedenkstunde des Bundestags sprach unterdessen der russische Schriftsteller Daniil Alexandrowitsch Granin über das Sterben und Überleben in Leningrad im Zweiten Weltkrieg. "Der Tod war jemand, der schweigend seine Arbeit tat in diesem Krieg", sagte der 95-jährige Schriftsteller am Montag - genau 70 Jahre nach dem Ende der Belagerung der Stadt. Wassermangel, Hunger, Kälte, Krankheiten und der Beschuss der deutschen Wehrmacht brachten nach Schätzungen bis zu einer Millionen Menschen in Leningrad (heute Sankt Petersburg) den Tod.

Bundestagspräsident Norbert Lammert wies auf den Zusammenhang zwischen Auschwitz und Leningrad hin, zwischen dem Völkermord an den europäischen Juden und dem Vernichtungsfeldzug in Osteuropa. "Sie wurzelten in der menschenverachtenden nationalsozialistischen Rassenideologie."