Amerikanische und britische Soldaten in der Kommandozentrale in Katar.Der US-Offizier nennt das Ganze einfach "the brain" - das Gehirn. Gemeint ist die "vorgeschobene Kommandozentrale" der US-Armee, mitten im Wüstensand des Golfstaates Katar gelegen. "Von hier geht der Befehl zum ersten Schuss im Irak-Krieg aus", meint der junge Mann, dessen Name nicht genannt werden darf. "Und von hier geht der Befehl zur Feuereinstellung aus."

Den Finger am Abzug
Sengende Sonne, gut 30 Grad im Schatten: Schützenpanzer hinter Sandwällen. Zwar liegt die irakische Grenze 700 Kilometer weiter nördlich. Aber die GIs, die auf Schützenpanzern mit ihren schweren Maschinengewehren Wache schieben, halten den Finger am Abzug. Besondere Wachen sind vor den Eingängen zu den Bunkern in Position gegangen. "Was sich in den Bunkern befindet, darf ich nicht sagen", meint ein ebenfalls lächelnder Soldat, der ebenfalls bittet, seinen Namen nicht zu nennen. "US Central Command Forward Headquarters" ist der offizielle Name des Stützpunkts - vorgeschobenes Hauptquartier der amerikanischen Kommandozentrale. Auf den ersten Blick handelt es sich um gut 20 klimatisierte Lagerhallen, 20 Kilometer vor der Hauptstadt Doha gelegen - mit Dutzenden Computerbildschirmen für den High-Tech-Krieg.
Von hier aus soll Vier-Sterne-General Tommy Franks (57) den Krieg steuern. "Unsere Männer sind zum Handeln bereit", lässt sich der General vernehmen. In einer der Hallen werden auch die Journalisten "versorgt". Nicht allen gefällt die Nähe von Militär und Medien. Reporter dürfen keinen Schritt alleine tun. Nicht einmal die Wachen dürfen gefilmt werden. Zu groß ist die Angst vor Attentaten. Selbst die knapp 100 Meter vom Eingang des Stützpunkts zum Pressezentrum müssen Journalisten in Begleitung von Soldaten zurücklegen.
Herzstück des Stützpunktes ist das "Schaltpult des Krieges", ein Computerraum, von dem Flugzeugeinsätze, Panzeroffensiven und Truppenvorstöße tief im Feindesland gesteuert werden können. "Eigentlich sieht das aus wie ein Internet-Café", berichtet der Offizier. "Normalerweise erscheinen auf den Computer ganze Truppeneinheiten. Dies ist die Ebene, auf der die Kommandos laufen. Es ist aber auch möglich, in einem Gefecht einzelne Panzer auf dem Bildschirm auszumachen." Auch irakische Panzer seien von hier auf den Bildschirmen zu orten. Fünf große Schirme stehen in einem Presseraum, über die Journalisten mit Bildern vom Krieg versorgt werden sollen. Zwei kleine Stehpulte sind daneben gestellt. Wenn die ersten Bomben einmal gefallen sind, will Franks oder ein Stellvertreter hier täglich Lageberichte geben. Erstaunlich allerdings: Über 10 00 Journalisten haben sich bereits bei den Amerikanern in Katar angemeldet, doch der Presseraum hat Platz für höchstens 100 Leute.

Zweifel an Informationen
Die von den US-Armee gelieferten und freigegebenen Bilder sollen von speziellen "Combat-Camera"-Einheiten aufgenommen werden. Noch ist unklar, ob dies ähnliche Bilder von vermeintlich "sauberen Präzisionsbomben-Einschlägen" sein werden, wie sie beim Golfkrieg 1991 geliefert wurden. ARD-Korrespondent Peter Puhlmann hat zumindest schwere Zweifel, ob das wirkliche Kriegsgeschehen an der Front dabei zu Tage kommt. "Ich weigere mich, einfach die Sichtweise der Amerikaner zu übernehmen. Wir sind doch die ersten, die in einem Krieg angelogen werden."