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Das Schachern um Joachim Gauck

Der DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck wird der neue erste Mann Deutschlands. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel steht damit der zweite Ostdeutsche an der Spitze des Landes. Foto: dpa
Der DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck wird der neue erste Mann Deutschlands. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel steht damit der zweite Ostdeutsche an der Spitze des Landes. Foto: dpa FOTO: dpa
Viele EU-Staatschefs hat die Kanzlerin in Krisen schon zum Einlenken bewegt. Beim kleinen Koalitionspartner FDP schaffte sie das im Streit um den neuen Bundespräsidenten nicht. Sie selbst gab klein bei. Von Werner Kolhoff und Hagen Strauß

Nach persönlichen Erfahrungen in zwei Diktaturen bezeichnet Joachim Gauck „Freiheit“ als sein großes Lebensthema. Jahrelang war sein Name vor allem mit der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit verknüpft. Am Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 übernahm er die nach ihm benannte Stasi-Unterlagen-Behörde. Bis 2000, als er die Leitung an Marianne Birthler abgab, avancierte Gauck zum bekanntesten Gesicht der DDR-Demokratiebewegung. Verschiedene Angebote zur Übernahme von politischen Ämtern lehnte er danach ab.

Schon im Sommer 2010 wurde er von SPD und Grünen zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nominiert. Dass er bei der Wahl knapp an Wulff scheiterte, änderte nichts an seinem gewachsenen Stellenwert. Als brillanter Redner ist der 72-Jährige im In- und Ausland weiter gefragt.

Joachim Gauck kam 24. Januar 1940 in Rostock zur Welt. Sein Vater verschwand für lange Zeit in einem Lager in Sibirien, als Gauck sechs Jahre alt war. Als evangelischer Pastor erlebte er später, wie das DDR-Regime brutal gegen Kirchenmitglieder vorging. Zwischen 1982 und 1990 leitete er die regionale Kirchentagsarbeit in Rostock. Als sich 1989 in der Bevölkerung der Widerstand gegen die Führung formierte, führte er als Sprecher des Neuen Forums in Rostock Demons trationen an.