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| 02:39 Uhr

Das "reine Volk” gegen die "korrupte Elite”

Köln. Bald wird der Bundestag gewählt. Die Bertelsmann-Stiftung hat darum untersucht, wie populistisch die Deutschen sind. dpa/bl

Wie wird Populismus definiert?

Der Populismus ist demnach eine Ideologie, bei der die Gesellschaft in zwei Gruppen aufgeteilt wird: das "reine Volk" gegen die "korrupte Elite". Der zweite wichtige Aspekt ist die Kritik an den politischen Eliten, dem Establishment. Darunter fallen neben Parteien und Politikern auch Wirtschafts-Manager und Journalisten. Dritter Aspekt ist die Vorstellung von einheitlichen Meinungen sowohl auf der Seite des Volkes als auch bei der politischen Elite. Meinungsvielfalt oder eine differenzierte Betrachtung nach Gruppen der Gesellschaft oder Individuen findet nicht statt.

Wie gingen die Meinungsforscher bei ihren Befragungen vor?

Sie stellten acht Thesen auf. Diese sollten die Befragten abgestuft in vier Schritten von "stimme ich voll und ganz zu" bis "stimme ich überhaupt nicht zu" bewerten.

Wie lauteten die Thesen?

1. Die Bürger sind sich oft einig, aber die Politiker verfolgen ganz andere Ziele. 2. Mir wäre es lieber, von einem einfachen Bürger politisch vertreten zu werden als von einem Politiker. 3. Die Parteien wollen nur die Stimmen der Wähler, ihre Ansichten interessieren sie nicht. 4. Die politischen Differenzen zwischen den Bürgern und Politikern sind größer als die Differenzen der Bürger untereinander. 5. Wichtige Fragen sollten nicht von Parlamenten, sondern in Volksabstimmungen entschieden werden. 6. Die Politiker im Bundestag sollten immer dem Willen der Bürger folgen. 7. Die Bürger in Deutschland sind sich im Prinzip einig darüber, was politisch passieren muss. 8. Was man in der Politik "Kompromiss" nennt, ist in Wirklichkeit nichts anderes als ein Verrat der eigenen Prinzipien.

Gibt es Kritik an der Studie?

Parteienforscher Prof. Oliver Treib von der Uni Münster geht davon aus, dass das Fazit der Studie zu optimistisch ist. "Die Studie unterschätzt nach meiner Einschätzung das Potenzial der Menschen mit populistischen Ansichten. Ich denke, dass es mehr als ein Drittel sind, wie in der Studie angegeben. Wir kommen aber leider an bestimmte Gruppen nicht heran. Menschen, die solche Einstellungen haben, nehmen an den Studien oft nicht teil."

Wie stehen deutsche Politiker zum Populismus?

Beispiel Horst Seehofer. Der CSU-Chef lehnt Populismus als bevorzugtes Politikelement ab. "Das heißt ja, dass man populistisch alles problematisiert, aber keine Lösungen anbieten kann", sagte er 2016. "Dass allerdings jeder Politiker, ausnahmslos, gelegentlich populär spricht, auf Marktplätzen, in Bierzelten, vor vielen Menschen, das ist erlaubt und in Ordnung."

www.lr-online.de/studie