Christkind ist nichts für trockene Agnostiker, Weihnachtsmann nichts für amerikakritische Antikonsumisten. Bleibt noch das Reh. Reh ist gut. Kinder lieben es, Mütter füttern es, Väter mögen es mit viel Soße. Drum sind Rehe im Advent überall. Auf Pullovern in Strick, in Vorgärten aus Plaste, groß und blinkend in Shopping-Passagen.

Das Dumme ist nur, die Rehe gibt es auch in echt in den Wäldern. Dort fressen sie junge Bäume. Damit hat die Politik ein Problem, denn die will den guten alten deutschen Wald zurück. Was wir für Wald halten, ist eigentlich eine als Naturkulisse verkleidete Nutzholz-Monokultur.

Was wir für Rehe halten, sind eigentlich als Kuscheltiere verkleidete Holzschädlinge. Da steckt nun aber die Umweltpolitik in der Zwickmühle.

Kann sich ja keiner hinstellen und sagen, dass er die süßen Bambis am liebsten reihenweise abknallen will. Drum reden alle ganz putzig drumherum.

Die CDU-Landtagsfraktion bekennt sich zu "standortangepassten Schalenwilddichten, die den vielfältigen Waldfunktionen und der generationenübergreifenden Verantwortung für den Wald gerecht werden".

Der Umwelt-Experte der Grünen, Wolfram Günther, ist überzeugt, dass "insbesondere der Einfluss des Rot- und Rehwildes bei der Entwicklung der Waldverjüngung und der Bodenvegetation auch in den sächsischen Wäldern eine wesentliche Rolle spielt" und fordert deshalb die "Wiedereinführung von Verbiss- und Schälschadengutachten beziehungsweise von Vegetationsgutachten auch für die privaten Jagdbezirke in Sachsen", sagt Günther.

Und wenn auch das nicht hilft, dann muss Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) am Ende noch "Restriktionen auf das Thema Präsenz" androhen. Was das heißen soll, wäre Thema einer extra Expertenanhörung. Jedenfalls nichts Gutes.