Kajo Wasserhövel gehört zu den führenden Sozialdemokraten, die keiner kennt. Er ist Bundesgeschäftsführer der SPD, was früher ein Amt mit öffentlicher Aufmerksamkeit war. Heute ist es eines, bei dem hinter den Kulissen gewirkt wird. Gestern schrieb Wasserhövel also seinen Genossen einen aufgeregten Brief - "wir müssen nun gemeinsam und zügig mit den Vorbereitungen eines engagierten Wahlkampfes beginnen", so der Wahlkampfmanager. Noch in dieser Woche werde die Struktur der "Kampa im Willy-Brandt-Haus", der Wahlkampfzentrale, festgezurrt. Und überhaupt, seit dem Neuwahlen-Coup des Kanzlers und des SPD-Chefs habe es "über 400 Neueintritte in die Partei gegeben der Mut ist links", so Wasserhövel.

Kein Linker mit Lafontaine
Solch ein verquerer Satz ist besonders für die Parteilinke gedacht, denn die SPD ist dabei, ihre Reihen zu schließen. Von Spaltungstendenzen gebe es keine Spur, meinten gestern in Berlin die linken Wortführer Andrea Nahles und Michael Müller: "Von der SPD-Linken wird sich niemand Oskar Lafontaine anschließen." Gleichwohl wollen die Agenda-Kritiker im Wahlmanifest der Genossen sozialere Akzente verwirklicht sehen: Dazu zählen unter anderem Änderungen bei Hartz IV für ältere Arbeitnehmer, die Einführung von Mindestlöhnen sowie eine Erhöhung der privaten Erbschaftssteuer. Bundeskanzler Gerhard Schröder und SPD-Chef Franz Müntefering werden das Manifest erarbeiten. Es soll am 4. Juli vom Parteivorstand und dann am 31. August auf einem Wahlparteitag in Berlin beschlossen werden.
Ganz andere Sorgen als die der Linken treibt die SPD-Netzwerker um. Sie sind junge, aufstrebende SPD-Abgeordnete, die baden-württembergische Spitzenkandidatin Ute Vogt und der Niedersachse Sigmar Gabriel gehören dazu. Um die 40 reform- und karrierefreudige Netzwerker gibt es. Und damit sie auch in Zukunft noch in gleicher Stärke im Bundestag vertreten sind, versandten sie jetzt an die Genossen vor Ort eine 54-seitige Broschüre: "Tatkraft 2005 - Wie wir die Bundestagswahl gewinnen". In sechs Kapiteln findet sich alles, was der Wahlkämpfer für die kurzfristig angesetzte Wahlschlacht vor Ort benötigt: Zum Beispiel kommen beim Wahlvolk Sommerfeste immer ganz besonders gut an, wissen die Netzwerker. Allerdings müsse "jedes Sommerfest auch ein kleines Kinderfest" sein, damit die Eltern schön entspannt sind. "Es gilt eine angenehme Biergarten-Situation zu schaffen."
Unterdessen plagen die Grünen wiederum andere Sorgen - nicht mehr nur, dass sie alleine in den Wahlkampf ziehen müssen, weil der Kanzler eine Koalitionsaussage verweigert. Inzwischen geht es angeblich auch um die Frage, ob Außenminister und Spitzenkandidat Joschka Fischer den Anforderungen des Wahlkampfes dank seiner wiedergewonnenen Leibesfülle überhaupt noch gerecht wird. "Joschka zu fett für Wahlkampf", titelte gestern eine große Boulevard-Zeitung. Freunde des Außenministers befürchten, dass er mit seinen geschätzten 112 Kilo (plus 20 Kilo in den letzten 24 Monaten) dem Wahlkampfstress nicht mehr durchhält.

Hoffnung auf purzelnde Pfunde
Dicke Politiker gibt es aber genug und der Umfang von Altkanzler Helmut Kohl zum Beispiel wuchs anscheinend von Wahlkampf zu Wahlkampf. Den Grünen kommt die (bewusst inszenierte) Geschichte überdies ganz gelegen, wie zu hören ist: Dann lässt sich nämlich in wenigen Wochen verkünden, wie durch einen leidenschaftlichen Wahlkampf Joschkas Pfunde wieder gepurzelt sind.