Erste Ergebnisse einer Studie, die das Projekt zum gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Grundschülern begleitet, seien nicht aussagekräftig. "Das System vergleicht sich mit sich selbst", kritisiert Fuchs ein Jahr nach Start des Projektes. Nötig sei aber der Vergleich zu Regelschulen sowie Förderschulen.

Brandenburgs Bildungsministerium bewertet die ersten Erkenntnisse dagegen positiv. Vor allem sei die Befürchtung vieler Eltern widerlegt, dass es zu einem Leistungsabfall komme. Im Fach Deutsch seien binnen weniger Monate deutliche Entwicklungen bei leistungsschwachen Schülern beobachtet worden. Die Lehrkräfte äußerten sich positiv, vor allem zum Klima im Kollegium und zur Unterstützung durch die Schulleitung.

Die GEW kritisiert dagegen eine Mehrbelastung der Lehrkräfte. Es seien eine bessere Personalausstattung und Infrastruktur nötig. Im Mittelpunkt müsse der Anspruch eines jeden Kindes auf individuelle Förderung stehen. Zudem sei eine gesellschaftliche Akzeptanz nötig. "Inklusion kann man nicht verordnen. Sie muss gelebt werden", so Fuchs.

An dem landesweiten Pilotprojekt beteiligen sich seit vergangenem Schuljahr 84 Grundschulen und Oberschulen mit Grundschulteil. Dabei sollen Erfahrungen von Regelschulen gesammelt werden, an denen auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet werden.

Für das Projekt wurden in Brandenburg laut Ministerium 117 Lehrerstellen geschaffen. Nach einer 2012 veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung benötigt das Land in den kommenden Jahren mehr als 600 Lehrer zusätzlich. Den Berechnungen zufolge kämen so 44,4 Millionen Euro Mehrkosten auf das Land zu. GEW und Opposition bezweifeln, dass Brandenburg entsprechend vorbereitet ist. Die rot-rote Landesregierung sieht eine Entscheidung über ein Inklusionsgesetz mit einem Rechtsanspruch auf gemeinsamen Unterricht in Grundschulen erst für die nächste Legislaturperiode vor. Seit 1991 haben jedoch Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf laut Schulgesetz einen Anspruch auf gemeinsamen Unterricht in allen Regelschulen. In Brandenburg lernen laut Bertelsmann-Stiftung 38,8 Prozent der Kinder mit Behinderung gemeinsam mit anderen Schülern.