Manchen galt Euro-Rebell Peter Gauweiler schon als neuer starker Mann der CSU. Der Münchner Bundestagsabgeordnete werde sich auf dem CSU-Parteitag in einer Kampfabstimmung gegen Verkehrsminister Peter Ramsauer durchsetzen und die ganze Partei zu einem euroskeptischen Kurs drängen, wurde in- und außerhalb der CSU prophezeit.

Das Ergebnis wären noch größere Probleme für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Parteichef Horst Seehofer gewesen. Doch im Peter-Duell besiegt der Verstand das Herz. Gauweiler – obwohl Favorit – verlor mit seinem Appell an die christsozialen Emotionen ganz knapp gegen Ramsauer. „Ich kann mit diesen Stimmungszyklen und Heiligsprechungen gut umgehen“, sagt Seehofer danach. Kein Wunder: Er ist mal wieder einen Rivalen los. „Die CSU ist die Partei der Anarchie, die einen starken Anarchen will“, scherzt der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein – ein Satz, dessen Erfinder nach Becksteins Angaben einst Gauweiler war.

Die Seehofer-Gegner hofften, dass Gauweiler eine Art Nebenvorsitzender werden könne. Doch ganz offensichtlich kann es nur einen starken Anarchen in der CSU geben. Gauweiler hatte ohnehin die meisten CSU-Schwergewichte gegen sich. Bundesagrarministerin Ilse Aigner setzte als oberbayerische CSU-Bezirkschefin alle Hebel in Bewegung, um Ramsauer zu verteidigen. „Ich habe vorher gesagt: Es wäre nicht meine Niederlage. Also kann es jetzt auch nicht mein Erfolg sein“, sagt sie anschließend bescheiden.

Alles Zureden Aigners und anderer Würdenträger würde aber wenig nutzen, wenn die Delegierten nicht selbst das Gewicht der beiden Peter-Kandidaten ganz pragmatisch abgewogen hätten. Und sie befanden Gauweiler für zu leicht: Ramsauer ist Verkehrsminister am Kabinettstisch, Gauweiler nur Außenseiter im Bundestagsbetrieb. Und Gauweiler agierte nach dem Empfinden vieler Delegierter allzu taktisch: Er dankte Seehofer – was ihm viele nicht abnahmen und sagte kein Wort, was er zur Bekämpfung der Schuldenkrise besser machen will. „Es war keine Substanz erkennbar, die sein Ticket „Ich bin der Parteirebell“ untermauert hätte“, meinte ein Kabinettsmitglied anschließend. Gauweiler verlor nur knapp mit 419 zu 440 Stimmen – eine Niederlage, keine Blamage.

Aber das Ergebnis des Peter-Duells wird seine Bedeutung weit über den Parteitag hinaus entfalten: In der CSU bleibt es beim Hauptvorsitzenden Seehofer – ohne Nebenvorsitzenden. Denn der Parteitag bestätigte Seehofer mit einem pragmatischen Ergebnis, mit dem er gut leben kann.

Seehofer erhielt 89,9 Prozent, obwohl der Chef schon lange kein Liebling der Partei mehr ist. Manche in der Parteispitze hätten sich 90 Prozent als wuchtiges Zeichen der Geschlossenheit gewünscht. „Das hätte ich für wichtig und notwendig gehalten“, sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Andere wiesen aber darauf hin, dass 89,9 Prozent kein Dämpfer sind – und besser als 88,1 Prozent bei der Vorstandswahl 2009.