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"Das perfekte Duo für unsere Zeit"

Wollen die Grünen in die Regierung führen: Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir.
Wollen die Grünen in die Regierung führen: Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir. FOTO: dpa
Berlin. Die Parteibasis der Grünen darf sich ihre beiden Spitzenkandidaten selbst wählen. Sie setzt auf bekannte Gesichter mit jahrzehntelanger politischer Erfahrung. Stefan Vetter

Die Basis der Grünen schickt die Realos Katrin-Göring Eckardt und Cem Özdemir als Spitzenkandidaten in den Bundestagswahlkampf. Allerdings mit eher mäßigen Ergebnissen. Michael Kellner kam regelrecht ins Schwärmen. "Das ist das perfekte Duo für unsere Zeit", strahlte der Bundesgeschäftsführer der Grünen am Mittwoch bei der Bekanntgabe des Urwahlergebnisses für die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl.

Zweifellos verbinden sich mit Katrin-Göring Eckardt und Cem Özdemir eher ungewöhnliche Biografien. Die 50-jährige Thüringerin ist Co-Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion und damit eine der ganz wenigen Ostdeutschen, die bundespolitisch Karriere gemacht haben.

Weibliches Solo

Göring-Eckardt hatte sich schon bei der Urwahl für die Bundestagswahl 2013 durchgesetzt. Damals allerdings gegen zwei andere Mitbewerberinnen. Diesmal wollten sich keine Mitkonkurrentinnen finden. Insofern relativiert sich auch das auf den ersten Blick ordentliche Ergebnis von knapp 71 Prozent. Wegen Göring-Eckardts Solo-Antritt hatten Teile der Basis sogar eine Klage gegen die Urwahl eingereicht. Das Parteischiedsgericht erklärte sie jedoch für nichtig.

Özdemir wiederum ist ein Paradebeispiel für gelungene Inte gration. Seine Eltern kamen aus der Türkei als Gastarbeiter in die baden-württembergische Provinz. Der 51-Jährige sieht sich deshalb auch gern als "anatolischen Schwaben". Özdemir ist derzeit zweifellos der profilierteste Grüne im Land.

In den Politiker-Rankings liegt er regelmäßig weit vorn. Bereits seit mehr als acht Jahren ist er Parteichef. So gesehen muss es eigentlich erstaunen, dass ihm ein weithin unbekannter Mitbewerber wie der schleswig-holsteinische Agrarminister Robert Habeck fast die Schau gestohlen hätte.

Ernsthafte Konkurrenz

Bei den parteiinternen Vorstellungsrunden hatte Habeck auf Provokation gesetzt und nicht mit scharfer Kritik am Zustand der Partei gegeizt. Ein Gradmesser dafür sind die mageren Umfragewerte von teilweise unter zehn Prozent. Und Habecks Klartext kam offenkundig an bei der Basis. Immerhin 12 129 Parteigänger votierten für den Landesminister. Das waren nur 75 weniger als für Özdemir. Er brachte es auf 12 204 Stimmen.

Sein Lächeln wirkte dann auch etwas bemüht, als man ihm zusammen mit Göring-Eckardt am Mittwochmittag vor laufenden Kameras die obligatorischen Blumen überreichte. "Es ist ein Sieg", wehrte Özdemir alle Fragen nach dem "Fotofinish" ab. Zugleich betonte er, dass aus der Urwahl "niemand als Verlierer hervorgegangen" sei.

Das galt auch Fraktionschef Toni Hofreiter, dem anderen Mitkonkurrenten für das "Männerticket" und einzigen Vertreter des linken Parteiflügels. Hofreiter landete mit nur 8686 Stimmen (26,2 Prozent) überraschend abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Dabei gilt der 46-jährige Bayer als Experte fürs Ökologische, das grüne Herzblutthema. Und er wirkt mit seinem unkonventionellen Auftreten sehr authentisch. Allerdings bezweifeln viele in der Partei, dass er bei einem breiteren Publikum punkten kann. Daraus erklärt sich wahrscheinlich das gute Abschneiden Habecks, auch weil er irgendwo zwischen den Flügeln von Parteilinken und Realos verortet wird.

Nach den Worten Özdemirs und Göring-Eckardts sollen auch die beiden Unterlegenen eine wichtige Rolle im Wahlkampf spielen. Die Urwahlgewinner beschworen die innerparteiliche Geschlossenheit und versprachen, die Grünen "in die Regierung zu führen".

Hofreiter mischt mit

Hofreiter dürfte schon wegen seines Fraktionsamtes weiter an vorderster Stelle mitmischen. Dagegen hatte Habeck schon frühzeitig klar gemacht, sich im Fall einer Niederlage weiter der Landespolitik zu widmen. Das bekräftigte er noch einmal am Mittwoch nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses. Es gilt aber nicht als ausgeschlossen, dass Habeck beim nächsten ordentlichen Grünen-Parteitag im Herbst den Job des Parteichefs übernehmen könnte - zumal dann, wenn die Grünen wirklich in die Regierung kämen und Özdemir Bundesminister wird.