Für die Promoter der Leipziger Messe gibt es eine Aufgabe, die sie besonders gern übernehmen. Auf Messen, Stadtfesten und anderen Veranstaltungen schlüpfen sie in einen blauen Anzug, schnappen sich einen braunen Koffer und werden mit einem Globus als Kopf zum lebensgroßen Messemännchen. "Nach Aussagen der Promoter ist das ein toller Job, denn ihnen fliegt als Messemännchen viel Sympathie zu", sagt Unternehmenssprecherin Lea Mock.

Die Leipziger leisten sich als einzige Messegesellschaft in Deutschland ein eigenes Maskottchen - und das schon seit Jahrzehnten. In diesem Oktober feiert das Messemännchen seinen 50. Geburtstag.

Entworfen wurde der wohl bekannteste Mitarbeiter der Leipziger Messe vom Berliner Puppengestalter Gerhard Behrendt (1929-2006). Er ist auch der Schöpfer eines anderen unverwüstlichen Sympathieträgers: des Sandmännchens. Behrendt entwarf 1964 im Auftrag des damaligen Leipziger Messeamtes "eine bewegliche, künstlerisch gestaltete Puppe", die als Souvenir und Werbebotschafter dienen und Leipzig als Drehscheibe des Ost-West-Handels darstellen sollte.

Eine Figur als personifizierter Globus wurde schließlich das Messemännchen, freundlich lächelnd, mit Pfeife im Mund und einem blauen Hut mit dem Doppel-M - dem Logo der Leipziger Messe - auf dem Weltkugelkopf.

Verkauft wurde das 16 Zentimeter große Maskottchen erstmals während der Frühjahrsmesse 1965 - allein für diese Messe wurden laut Mock fast 40 000 Exemplare produziert. Im Laufe der Jahre kamen mehrere Hunderttausend Stück dazu, hergestellt in der Puppenfabrik VEB Biggi in Waltershausen und an anderen Standorten.

Sein Erfolg hat das Messemännchen längst zum Fall fürs Museum gemacht. In der ständigen Ausstellung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig steht der kleine Geselle in der Abteilung "Moderne Zeiten".

"Das Messemännchen steht für die Leipziger Messe. Es hat sie als internationales Unternehmen dargestellt - schon zu DDR-Zeiten", sagt Sammlungskuratorin Johanna Sänger. "Dazu kommt das Design, mit dem eine sympathische Figur gelungen ist, die die Wahrnehmung der Messe geprägt hat. Damit ist es für ein historisches Museum ein Sammlungsgegenstand."

Ganz geradlinig verlief die Karriere des Messemännchens trotz aller Sympathie allerdings nicht. Nach dem Mauerfall und der Gründung der Leipziger Messe GmbH machte es erstmal "Urlaub", wie Messesprecherin Mock sagt: "In den 90er-Jahren gab es verschiedene Ansätze, dem Messemännchen ein moderneres Outfit zu geben. Doch die führten letzten Endes nicht zum Erfolg."

2004 - zu seinem 40. Geburtstag - wurde der kleine Kerl dann originalgetreu wiederbelebt - "gewissermaßen auf allgemeine Nachfrage hin", wie Mock berichtet. Besucher und Aussteller hätten sich immer wieder nach dem Messemännchen erkundigt. 30 000 neue Exemplare seien seither produziert worden. Sie werden über verschiedene Kommissionspartner in Leipzig und während der Messen verkauft.

Außerdem gibt es ein Messe-Räuchermännchen - und seit zwei Jahren ziert der Hutträger auch einen Displaycleaner, eine Art kleinen Putzlappen für Smartphones. Das 50 Jahre alte Messemännchen gehe halt mit der Zeit, meint Mock.