"Stimmt", sagt sie lächelnd, "ich bin wirklich rundum zufrieden - obwohl man sich ja kaum traut, das zu sagen." Das wiederum nimmt man ihr nicht so leicht ab: Juliane Adam ist eine, die sich alles traut. Sie hat fast nackt Plakatwerbung für ihren Sender gemacht. Sie geht auf jedermann unbefangen zu - und sie gibt offen zu, wenn sie gerade mal überhaupt keine Ahnung von etwas hat.Aufgewachsen in Zittau in der Oberlausitz, beide Eltern Schauspieler. Ihre Kindheitserinnerungen sind mit der Bühne verbunden. "Der Geruch von Maske und Requisite hat sich mir ganz fest eingebrannt", sagt Juliane Adam und sie erzählt von dem, was ihre Jugendjahre geprägt hat. Ausgezeichnete Noten in der Schule und trotzdem immer auf Konfrontation mit den Lehrern. Zwölf Jahre Ausbildung als Cellistin, "aber für mehr als die letzte Reihe im Orchester hätte es nie gereicht", noch eine Gesangsausbildung dazu, um die Musiklehrerin zufriedenzustellen. Mit 17, als die Wende kam, wäre sie am liebsten auf und davon und hätte irgendwo in der großen weiten Welt ihr Abitur gemacht. "Aber die Eltern haben dafür gesorgt, dass ich noch zwei Jahre in Zittau blieb. Heute bin ich ihnen dafür dankbar." Am Tag der Zeugnisvergabe aber war die brave Tochter nicht mehr zu halten. Sie zog nach Berlin, studierte Publizistik und schnupperte in die noch junge Privatradio-Szene der Hauptstadt. Sie konnte nichts - aber sie wollte alles, wirklich alles, von Grund auf lernen. Praktikum, Volontariat, fünf Jahre Morgenfee mit Weckerklingeln um 3.30 Uhr und nebenbei ein Marketing-Studium in München: Man ahnt, welche eiserne Disziplin die heute 36-Jährige aufbrachte, um ihre Karriere auf den Weg zu bringen. Und wenn ihr dafür eine Rechnung präsentiert wurde, dann zahlte sie. 2002 etwa, als ein Freund sie im Sommer fragte, ob sie nicht einen neu gegründeten Radiosender in Cottbus leiten wolle. "Ich hatte überhaupt keine Lust", sagt die Medienfrau. "Mir ging es supergut in Berlin, warum sollte ich also in die Provinz?"Zwei Monate später ging ihr Berliner Arbeitgeber in die Insolvenz und Juliane Adam saß von heute auf morgen auf der Straße. "Ich musste also kleinlaut in Cottbus anrufen, ob das Angebot noch steht." Im Herbst 2002 konnte sie als Geschäftsführerin von Radio Cottbus den jungen Sender übernehmen. "Anfangs wurden wir von der Konkurrenz belächelt, später leicht gnatzig beharkt, heute haben wir mit allen Radiostationen eine friedliche Koexistenz.25 Mitarbeiter beschäftigt Juliane Adam heute. "Wir pflegen im Büro fast eine WG-Atmosphäre", sagt die unkomplizierte Managerin lachend. Da verreisen die Leute schon mal zusammen, der Ton ist locker und die Chefin lässt viele Freiheiten. Wird aber schlampig gearbeitet, dann zieht sie sehr schnell die Zügel straff. "Ich stelle gern ehemalige Leistungssportler ein", erzählt sie. "Denen gibt man einmal eine klare Ansage und weiß dann ganz genau, dass man sich darauf verlassen kann." Diese unbedingte Disziplin, die sie aus der Musik kennt, pflegt sie sowohl in ihrem Arbeitsstil als auch in der Freizeit. Sechs- bis siebenmal die Woche trainiert sie Triathlon, arbeitet auf ihr Ziel hin, den "Iron Man" Wettbewerb auf Hawaii durchzustehen. Dass sie es irgendwann schaffen wird, daran zweifelt in ihrem Umfeld eigentlich niemand. An der Wand ihres Büros hängt ein Foto von der "Antigua Race Week" 2006. Eine einwöchige Segelregatta, bei der ihr Team die ganze Zeit auf dem dritten Platz lag. "Am letzten Tag herrschte dann absolute Flaute", erzählt die Hobby-Seglerin. "Das Team an der Spitze gab auf, die Zweitplatzierten gaben auf." Juliane Adam gab nicht auf. Sie wartete stundenlang auf einen Hauch von Wind - und genau dieser Hauch trieb sie über die Ziellinie und machte sie zur Siegerin der Regatta. Neben dem Foto von der Regatta hängt noch ein anderes Bild: die Fußballmannschaft von Herta BSC. Der frühere Co-Trainer war der Freund von Juliane Adam. "Durch die Arbeit in Cottbus hatte ich nur am Wochenende Zeit, nach Berlin zu fahren. Und da arbeiten Fußballer natürlich." Wieder einmal forderte das Leben seinen Preis von Juliane Adam. Und sie zahlte. "Wir sind gute Freunde geblieben, das ist doch auch klasse."