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Das Lautawerk war eine Notlösung

Das Lautawerk wenige Wochen vor seiner Inbetriebnahme. Die Schornsteine gehören zum Kraftwerk.
Das Lautawerk wenige Wochen vor seiner Inbetriebnahme. Die Schornsteine gehören zum Kraftwerk. FOTO: Archiv Senak Lauta
Lauta. Ohne Kupfer und Aluminium als Leitermaterial ist die Stromversorgung so gut wie undenkbar. Importierte das Deutsche Reich bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges beide Metalle in Größenordnungen, war damit ab Sommer 1914 Schluss. Drei Jahre später schlug die Geburtsstunde des Lautawerkes. trt1

Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges konnte das deutsche Kaiserreich quasi aus dem Vollen schöpfen. Im Jahr 1913 wurden rund 300 000 Tonnen Kupfer verarbeitet, davon ein Drittel allein in der Elektroindustrie, merkt Peter Josef Belli, Autor des Werkes "Das Lautawerk der Vereinigten Aluminium-Werke AG (VAW) von 1917 bis 1948" unter Berufung auf eine Denkschrift der Bayerischen Aluminium-AG vom März 1920 an. Allerdings gab es in Deutschland kaum förderwürdige Kupferlagerstätten. Demzufolge wurde das begehrte Buntmetall aus dem Ausland importiert. Als Hauptlieferanten galten Schweden, Norwegen und Spanien. Doch nach Kriegsausbruch war die deutsche Industrie von der Zufuhr dieser Rohstoffe abgeschnitten.

Als Ersatz bot sich das Leichtmetall Aluminium an, das ähnlich gute Leiter-Eigenschaften wie Kupfer besitzt. Auch hierbei gab es laut Belli einen nicht unerheblichen Wermutstropfen: Da sich auf deutschem Boden lediglich eine Aluminium-Hütte befand, und zwar im badischen Rheinfelden, musste der weitaus größere Teil ebenfalls eingeführt werden. Bisherige Lieferanten wie Frankreich, England und Kanada gehörten ab dem Jahr 1914 zu den Kriegsgegnern. Aluminiumexporte blieben also aus. Zwar konfiszierte das Kaiserreich Metalle für seine Kriegszwecke, doch reichten die Mengen nicht aus.

Neue Werke mussten her. Direkt nach Kriegsbeginn erfolgte der Aufbau der Hütten in Rummelsburg bei Berlin, Horrem bei Köln und Bitterfeld. Durch das sogenannte "Hindenburg-Programm", benannt nach Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, nahm die Planung eines wesentlich größeren Aluminiumwerks Gestalt an.

Diese neue Fabrik, die auf einem Gelände ein Kraftwerk, eine Tonerde- und Elektrodenfabrik sowie die eigentliche Aluminiumhütte vereinigt, sollte im Raum Halle-Bitterfeld errichtet werden. Doch aufgrund der dortigen Konzentration der stark auf Braunkohle angewiesenen Industrien fiel die Entscheidung letztendlich zugunsten der Niederlausitz, speziell auf eine Fläche der Ilse Bergbau AG nahe des Dorfes Lauta. Mit der Gründung der "Vereinigten Aluminiumwerke AG" (VAW) im April 1917 startete der Bau der Anlagen mitten in der "Lautschen Heide".

Der Standort südöstlich des Dorfes Lauta schien nach Angaben von Siegfried und Angelika Erler von der örtlichen Seniorenakademie, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 1995 mit der Historie des Industriestandortes befasst, als sehr günstig. "Die Kohlengrube Erika lag nur wenige Kilometer entfernt, es gab einen Bahnanschluss und reichlich Wasser aus der nahen Schwarzen Elster", erklärt Angelika Erler. Der Kohlenliefervertrag zwischen der Ilse Bergbau AG und der VAW war übrigens auf 50 Jahre angelegt.

Nach der Grundsteinlegung des Werkes im April 1917 wurde am 17. Oktober 1918 das erste Aluminium geschmolzen. Dazu waren zeitweise bis zu 13 000 Arbeiter tätig. Kriegsentscheidend wurde das produzierte Aluminium nicht mehr, denn nur knapp einen Monat später ging die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" mit der deutschen Niederlage zu Ende.

Anschließend durchlief das junge Lautawerk eine Durststrecke, da das Leichtmetall nicht mehr gefragt war. Hinzu kamen Produktionseinschränkungen durch den Versailler Vertrag, in dem die deutsche Kriegsschuld festgehalten war. In späteren Jahrzehnten erlebte der Betrieb Höhen und Tiefen, Rekordproduktionsmengen, Zerstörung und Demontage. Nach dem Bau zweier Aluminumelektrolyse-Hallen und der Wiederaufnahme der Aluminiumproduktion anno 1964 zählte das Lautawerk DDR-weit zu den Großbetrieben. Unmittelbar nach der Wende erfolgte jedoch die Stilllegung mit nachfolgendem Abriss. Heute befindet sich auf der Fläche neben der Thermischen Abfallbehandlung TA Lauta, der Rygol Dämmstoffe GmbH und weiterer Firmen ein riesiger Solarpark.