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Das Lausitzer Seenland startet 2013 durch

Das Lausitzer Seenland aus der Luft
Das Lausitzer Seenland aus der Luft FOTO: Julia Lindenberger
Interaktiv. Wird das Lausitzer Seenland zur Boom-Region? Für Kommunalpolitiker, Touristiker und Wirtschaftsförderer zwischen Großräschen, Senftenberg und Hoyerswerda gibt es da längst keine Zweifel mehr. Alle Zeichen stehen auf Wachstum: ein neuer Hafen und schiffbare Kanäle gehen 2013 in Betrieb, Grundstücke mit Seelage sind begehrt, ein maritimes Gewerbegebiet ist fast ausgebucht, obwohl es erst geplant ist, neue Arbeitsplätze können entstehen, viele weitere Projekte sind in Arbeit. Christian Taubert

Der Blick vom "Rostigen Nagel" verdeutlicht das Ausmaß: Wasser, soweit das Auge sehen kann. Ehemalige Kohlegruben füllen sich immer weiter. Ihre Wasserfläche wird bis 2020 größer sein als die Mecklenburger Seenplatte. Oben auf der im Volksmund umbenannten, mehr als 30 Meter hohen Landmarke Lausitzer Seenland am südwestlichen Ufer des Sedlitzer Sees strahlt die Region unendliche Ruhe aus. Es ist nicht zu erahnen, dass es an allen Ecken und Enden Projekte gibt, mit denen sich das Seenland auf seine maritime Zukunft vorbereitet.

Besucherbergwerk F 60 in Lichterfeld, Wasserwelt Geierswalde mit schwimmenden Häusern, IBA-Terrassen mit Victoria-Höhe und Seehotel Großräschen, Senftenberger Wellness-Gourmet-Hotel Seeschlösschen oder schwimmende Tauchschule Laasow gehörten zu den touristischen Zugpferden des zurückliegenden Jahrzehnts. 2013 beginnt für das Lausitzer Seenland nun eine neue Dimension. Der Start erfolgt bereits Ende März, wenn der moderne Stadthafen am Senftenberger See in Betrieb geht. Zurzeit wird auf der Großkoschener Seite des Gewässers jene Seebrücke fertiggestellt, die später über den See geschleppt und im Hafen montiert werden soll.

Was folgt, ist ein Meilenstein auf dem Weg zur schiffbaren Verbindung von zehn Seen über zwölf Kanäle (siehe Karte) im Inneren des Seenlandes. Anfang Juni zu den Besuchertagen soll der Kanal 12 mit Schleuse zwischen Senftenberger und Geierswalder See im Sächsischen in Betrieb gehen. Von da an können Freizeitkapitäne über den Barbara-Kanal auch den Partwitzer See erreichen. "Die drei verbundenen Seen werden dem Wassertourismus einen weiteren Schub geben", ist sich Frank Neubert sicher.

Der Senftenberger Wirtschaftsförderer verweist zugleich aber darauf, dass "wir für die maritime Infrastruktur der kommenden Jahre sorgen müssen". Zurzeit seien etwa 500 Boote auf der Seenkette unterwegs. Schon in drei bis vier Jahren - wenn die Seen komplett geflutet sein werden - gehen Prognosen von 10 000 Booten aus.

Deshalb hat die Stadt Senftenberg am Sedlitzer Nordufer ein Gewerbegebiet ausgewiesen, das nach Einschätzung von Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) zum Selbstläufer wird. Noch vor dem ersten Spatenstich ist das Areal fast ausgebucht. 18 Firmen haben Kaufanträge gestellt. Insgesamt sollen zunächst 150 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Zehn Millionen Euro will die Stadt Senftenberg in die Erschließung investieren. Auch das ist ein Projekt der fünf Städte des Regionalen Wirtschaftskerns Westlausitz - Senftenberg, Schwarzheide, Lauchhammer, Finsterwalde und Großräschen. Dadurch können die notwendigen Fördermittel beantragt werden. Neubert prognostiziert, "dass der Platz im Gewerbegebiet Sedlitzer Nordufer nicht ausreichen wird, um der Nachfrage gerecht zu werden".

Dass das Lausitzer Seenland aber auch dazu beiträgt, neue Einwohner in die Region zu locken, Wegzügler zurückzuholen und Menschen in der Region zu halten, davon sind Frank Neubert und Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) gleichermaßen überzeugt. So müssen die Senftenberger Stadtverordneten in Kürze Farbe bekennen zum deutschlandweit einzigartigen Lagunendorf nahe des eingemeindeten Sedlitz.

Für die 130 exklusiven Eigenheim-Grundstücke mit direkter Wasserlage hat es laut Volker Mielchen vom Seenland-Verband schon mehr als 40 Anfragen gegeben. "Viele Leute wollen hierher, obwohl wir noch nicht einmal einen genauen Quadratmeterpreis nennen können", schildert Frank Neubert, dass das Lagunendorf ein Renner auf Messen ist. Bau-Entscheidungen müssten nun aber schnell fallen, um die Landzungen noch trockenen Fußes in den gewachsenen Boden schneiden zu können.

In diesem Punkt ist das gerade einmal 15 Kilometer entfernte Großräschen ein Stückchen weiter. Das Wasser im gleichnamigen See vor der Haustür - bis 1999 noch aktiver Tagebau Meuro - lässt zwar noch bis 2016/17 auf sich warten. Aber die bis zu 100 Grundstücke in der ufernahen Wohnsiedlung "Alma" erweisen sich als "Goldstaub" für die Kommune. 22 Grundstücke sind bereits verkauft. "Und es gibt weitere Interessenten", erklärt Bürgermeister Zenker. Für ihn ist die neue Siedlung "ein Stück Wiedergutmachung an Großräschen". Denn Großräschen-Süd mit 4000 Einwohnern (1992/93) war zu DDR-Zeiten der größte jemals überbaggerte Ortsteil.

Heute ziehen dort auch junge Leute hin, die zurückkommen in ihre Heimat. Weggegangen waren sie, als die Arbeitslosigkeit 1990 rings um Senftenberg bei mehr als 30 Prozent lag und keine Perspektive in Sicht war. "Das hat sich grundlegend geändert", schildert Zenker. Und er nennt zuerst die IBA Fürst-Pückler-Land (2000 bis 2010), die der Lausitz nach der Braunkohle wieder Mut und Selbstbewusstsein gegeben habe. Ohne IBA und ohne den Sanierungsbergbau würde es heute nach Zenkers Einschätzung keine Seenkette mit attraktiven Projekten geben. Der von Tagebaugroßgeräten "modellierte" Hafen von Großräschen gehört ebenso dazu, wie "Alma" in Seelage. Wer bereits in der auf gewachsenem Boden entstehenden Wohnsiedlung gebaut hat, sage aber auch: "Wir sind gekommen wegen der Seenkette", weiß der Bürgermeister zu berichten.

Mit rund 3000 sozialversicherungspflichtigen Jobs liegt Großräschen unter 15 Prozent Arbeitslosigkeit. Das sei zwar die Hälfte von 1990, sagt Zenker, "aber noch viel zu hoch". Er fügt jedoch hinzu, "dass das Selbstbewusstsein zurückgekehrt und die Perspektive gut ist". Dieser Einschätzung kann Daniel Just nicht widersprechen. Der Geschäftsführer des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Sachsen in Hoyerswerda spricht ebenfalls von einer zunehmenden Dynamik auf der Seenkette, die ab 1. Juni sicher einen weiteren Schub erfahren werde.

Denn auch die Sachsen fiebern der Freigabe des Koschener Kanals entgegen. Bis dahin werden sie einen Betreiber für die Fahrgastschifffahrt gebunden haben, der Touristen von Geierswalde aus nach Senftenberg schippert. Am Ufer des Geierswalder Sees entstehe bis dahin ein neuer Schiffsanleger. Die Gemeinde wolle daran gleich noch einen Bootssteg andocken. Daniel Just lobt den Mittelstand in der Region, der das Potenzial des Seenlandes erkannt habe und sich einbringe.

Das Projekt eines LeuchtTurmHotels an der Südböschung Geierswalde sei ebenso ein Beleg dafür, wie die Investition in drei weitere drei schwimmende Häuser. Sie seien ein weiterer Schritt zur Vervollkommnung des Geierswalder Marina-Wohnpark, in dem dann fünf von möglichen 18 Schwimmhäusern ankern.