Im Mai 1989, kurz vor dem Abi, hatte mein Geschichtslehrer gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, dass Deutschland wiedervereinigt würde. Ich erinnere mich an meine Antwort: "Ich könnte mir vorstellen, dass die Leute in der DDR das möchten. Ich fürchte aber, die Russen würden das nicht zulassen." Am 9. November 1989 wurde wahr, worauf ich nicht zu hoffen gewagt hatte. Gemeinsam mit meinem Bruder habe ich an dem Abend im Fernsehen die Bilder der Menschen gesehen, die an der Mauer tanzten. Gesprochen haben wir nicht viel. Wahrscheinlich wollte keiner von uns zeigen, wie bewegt er war. Dann sagte mein Bruder: "Stell dir vor, wir können jetzt nach Dresden fahren oder nach Leipzig - einfach so." Daran denke ich oft, wenn ich jetzt durch Dresden oder Leipzig fahre, auf dem Weg von zu Hause in der Pfalz nach Hause nach Cottbus.