Eine Geschichte über das Bergische Land beginnt man am besten, indem man ein Jahrhunderte überdauerndes Missverständnis ausräumt. Der Name Bergisches Land hat nichts, aber auch gar nichts mit Bergen zu tun - die gibt es dort zwar, und im Vergleich zu den Erhebungen im Rheinland und am Niederrhein sind sie auch recht hoch - doch leitet sich der Begriff von den Grafen von Berg ab.

Herrschaftssitz war zunächst Altenberg, ab dem Jahr 1133 Schloss Burg und ab dem späten 14. Jahrhundert Düsseldorf. Das frühere Herzogtum Berg war riesig, es entsprach in weiten Teilen dem heutigen Nordrhein-Westfalen. Mit den Grafen von Berg aus dem Haus Limburg kam das heute noch gebräuchliche Wappen des rot-blau gefärbten zweigeschwänzten Löwen auf silbernem Grund in das Herzogtum Berg an den Rhein. Es handelte sich ursprünglich um den Limburger Löwen.

Ein Großteil der Fachwerkhäuser im Bergischen Land stammt aus dem 19. Jahrhundert, aber es finden sich auch welche, die bereits im 16. Jahrhundert entstanden sind. Es gibt ganze Dörfer wie Bruch bei Nümbrecht, die fast ausschließlich aus Fachwerkhäusern bestehen und wie ein Freilichtmuseum wirken.

Viele der schwarz-weißen Häuser stehen zwar unter Denkmalschutz, werden aber bis heute bewohnt und sind auch bei jungen Familien begehrt. "Fachwerkhäuser mit den vielen kleinen Zimmern, den Sprossenfenstern und dem sichtbaren Gebälk sind einfach sehr gemütlich", sagt Claudia Rubbel, die sich mit ihrem Mann Ralf Schneider für ein Fachwerkhaus als Zuhause entschieden hat. Die beiden gebürtigen "Ober-Berger" bewohnen in Bruch mit ihrer siebenjährigen Tochter Viktoria ein 170 Quadratmeter großes Fachwerkhaus aus dem Jahr 1790. Das Gebäude ist komplett denkmalgerecht restauriert und renoviert worden. Die Familie mag das Ambiente in dem Dorf: "Wir haben nie bereut, unsere moderne Wohnung aufgegeben zu haben", sagt die 46-Jährige. Wenn es der Job erfordert hätte, wären sie auch weggezogen aus dem Bergischen, aber dann würde ihnen viel fehlen: "Die Hügel, die Wiesen und Wälder und die Talsperren", schwärmt Rubbel. "Da kann man auch akzeptieren, dass es hier etwas öfter regnet als in anderen Landesteilen." Und überhaupt sorgt dieser Regen ja auch dafür, dass die Talsperren immer gut gefüllt sind, und die Wasserqualität so gut ist. Alle zwölf Talsperren im Bergischen Land wurden künstlich angelegt. "Die größte natürliche Wasseransammlung im Bergischen Land ist eine Pfütze", sagt David Bosbach vom Tourismuszentrum. Den Rekord hält die Dhünntalsperre mit 82 Millionen Kubikmetern Wasser.

Die rauschenden Bäche und Flüsse haben es begünstigt, dass sich eine wichtige Industrie ansiedeln konnte. So finden sich bis heute an der Wupper Spuren der frühen Industrialisierung, in Form von sogenannten Kotten mit Wasserrädern, in denen die "Schlieper" (Schleifer) Messer und Scheren fertigten, die Solingen weltweit als Klingenstadt bekannt machten. Dieser Industriegeschichte kann man in Museen in Solingen oder Engelskirchen nachspüren, und noch immer gibt es ab und an Vorführungen, bei denen man das alte Handwerk beobachten kann.

Den Bewohnern des Bergischen Landes eilt ein miesepetriger Ruf voraus. Sie gelten als muffig, verschlossen, pessimistisch. Das ist Quatsch, sagt Schneider. "Der Ober-Berger braucht vielleicht etwas länger als der Rheinländer, bis er auftaut, aber dann ist er ein sehr guter Freund."

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Die Speisen: Die Bergische Kaffeetafel bietet mehr als Kaffee und Kuchen, viel mehr. Serviert werden sowohl herzhafte als auch süße Speisen: Hefeblatz (mit oder ohne Rosinen), verschiedene Schwarz- und Graubrote, süße Aufstriche und Herzhaftes zum Belegen: darunter Honig, Birnen-, Äpfel oder Rübenkraut, Butter, Quark, Käse, Blut- und Leberwurst, Schinken sowie verschiedene Kuchen und mancherorts gekochte Eier oder Rührei. Außerdem fester Bestandteil: Milchreis mit Zimt und Zucker sowie frisch gebackene bergische Waffeln mit heißen Kirschen.Die Kaffeekanne: Dazu dröppelt (tröpfelt) der Kaffee aus einer silbernen sogenannten Dröppelmina. Das ist eine Kanne, die in ihrer Form an eine Hausfrau erinnert, die resolut ihre Arme in die Hüfte stemmt. Das Gefäß erinnert an Zeiten, als Filter noch nicht im Gebrauch waren. Weil der Kaffeesatz den kleinen Zapfhahn oft verstopfte, "dröppelte” die Kanne - das brachte ihr den Namen ein.Restaurants: Viele Gaststätten in der Region bieten die Bergische Kaffeetafel an. Einige jedoch nur auf Vorbestellung oder nur am Wochenende. Danach sollte man sich erkundigen. Wichtig: Für die Kaffeetafel braucht man ähnlich wie zum Brunchen Zeit.Gegenmittel: Wer sich fragt, wie man alle diese Speisen verarbeiten kann: Auch dafür gibt es eine Lösung. Am Schluss wird meist ein Bergischer Korn serviert.