Um auch noch den Verlust von vier ihrer bisher fünf Direktmandate und das mit 23,1 Prozent schlechteste Bundestagswahlergebnis ihrer Geschichte zu verarbeiten, brauchte SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz am Montag einige Zeit. Und als sie sich am Mittag vor der Presse äußerte, bediente sie sich der Bürgermeisterwahlen in Schwedt, wo der SPD-Amtsinhaber mit 79 Prozent der Stimmen gegen einen parteilosen Zählkandidaten gewann. Um zu zeigen, dass die Wähler durchaus zwischen der Bundestagswahl und der kommunalen Ebene differenzieren könnten. So tief saß der Schock. Immerhin hatte die SPD lange Zeit die Parole ausgegeben, alle Brandenburger Direktmandate zu gewinnen. Davon ist sie nun meilenweit entfernt.

"Die CDU ist der eindeutige Wahlsieger", musste Geywitz einräumen, während sie einen Thermo-Kaffeebecher mit der Aufschrift "Mutti macht das schon" vor sich zu stehen hatte. "Es war aber kein Votum über die Brandenburger SPD, es war ein Votum für die Bundeskanzlerin." Das sieht auch der frischgebackene Landesvorsitzende Dietmar Woidke so. Die Bundestagswahl habe keine direkten Auswirkungen auf die Landtagswahl im nächsten Jahr, sagte Woidke in einem dpa-Interview. Für den einen Erfolg 2014 müsse seine Partei dennoch hart arbeiten und die Themen treffen, die die Menschen bewegten.

"Nichts mehr so, wie es war"

Die alte Parole: "In Brandenburg sind Wahlen, und am Ende gewinnt die SPD" ist seit dem Wochenende außer Kraft gesetzt. Großer Sieger nämlich ist die CDU. Ein ungewohntes Gefühl, selbst für den Landeschef und designierten Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2014, Michael Schierack. "Wir haben mehr Erst- als Zweitstimmen gewonnen." Bei den nächsten Landtagswahlen werde die CDU auch im Land "auf Augenhöhe" mit der SPD sein. "Nach dieser Wahl ist nichts mehr so, wie es vorher mal war."

Zurückhaltend äußerte sich dagegen die Brandenburger Linkspartei: Sie hatte ihr Wahlziel im Vorfeld der Landtagswahl bei 25 Prozent "plus X" definiert. Am Ende wurden es dann 22,4 Prozent - etwas weniger als 2009, wo man bei 28,5 Prozent ins Ziel gekommen war. "Wir liegen deutlich über den Werten der letzten Umfragen, auch wenn wir unser Ziel nicht erreicht haben", sagte der Landesvorsitzende Stefan Ludwig. "Aber es ist erreichbar."

Klar ist aber: Das Ergebnis der Brandenburger CDU setzt auch die Genossen unter Druck. Die Forderungen nach einer rot-schwarzen Koalition werden in den nächsten Monaten lauter werden. Profitieren könnte die Linkspartei allerdings in einem Jahr - wenn die mit der Berliner Regierung Unzufriedenen bei den nächsten Landtagswahlen ihre Stimme abgeben.

Enttäuschung gab es auch bei den kleineren Parteien. "Wir haben unser Ziel, erstmals einen zweiten Brandenburger Abgeordneten in den Bundestag zu entsenden, verfehlt", sagte die Spitzenkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, die selbst über die Landesliste in das Parlament einzieht. "Wir konnten uns nicht gegen den Bundestrend durchsetzen." Auch sei es nicht gelungen, die Energiewende als ein Kernthema zu positionieren.

"Wir haben nach vielen eigenen Fehlern verdient verloren", sagte dagegen FDP-Landeschef Gregor Beyer, dessen Partei nicht mehr dem Bundestag angehören wird. Nun gelte es, die Verantwortung für die Zukunft der Partei in den Ländern wahrzunehmen.

Partei weiter aufbauen

Begeistert zeigte sich dagegen der Landesvorstand der konservativen "Alternative für Deutschland", Roland Scheel. Die in Brandenburg erst vor fünf Monaten gegründete AfD errang auf Anhieb sechs Prozent. Auch, wenn dies bundesweit nicht für einen Einzug in den Deutschen Bundestag ausreichte, "wir werden unsere Partei weiter aufbauen", kündigte Scheel an. "Und bei der Kommunal- und Europawahl werden wir flächendeckend in Brandenburg antreten."