"Es gibt einen Run prominenter Genossen, die sich bei uns für ein Mandat bewerben. Das ist einerseits komfortabel, aber es macht natürlich auch Schwierigkeiten", sagte Linke-Chef Thomas Nord der RUDNSCHAU. Da ist etwa der Berliner Ex-Kultursenator Thomas Flierl, dessen Job Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) nach der letzten Abgeordnetenhauswahl übernommen hatte. Flierl versucht jetzt ein Comeback, will in Potsdam für den Bundestag antreten. Das will auch Florian Havemann, der bis vor ein paar Monaten Verfassungsrichter in Brandenburg war, vor allem aber als Sohn des DDR-Oppositionellen Robert Havemann bekannt geworden ist. Die Chancen für die beiden früh ins Rennen gegangenen Außenbewerber sind allerdings gesunken, da in Potsdam nach längerem Zögern nun doch der einheimische Platzhirsch antritt: Rolf Kutzmutz, früherer PDS-Bundesgeschäftsführer und langjähriger Potsdamer Kreis chef, hat mittlerweile seinen Hut in den Ring geworfen. Und nicht nur das: Kutzmutz könnte die von der Nord-Spitze geplante Bundesliste der Brandenburger Linken durcheinanderbringen, für die er ebenfalls kandidieren will. In Potsdam holte den Bundestagswahlkreis seit 1990 nämlich immer die SPD. Kutzmutz kontra NeskovicNun gilt für die Bundesliste aber bereits Dagmar Enkelmann, parlamentarische Geschäftsführerin in Berlin, ebenso als gesetzt wie die Abgeordnete Kirsten Tackmann und Landeschef Nord. So wird mit einer Kampfkandidatur von Kutzmutz gegen den Bundestagsabgeordneten Wolfgang Neskovic gerechnet, der auf Platz vier der Landesliste antreten soll. Brie und die LausitzÜberraschend bekommt auch André Brie, einst Abgeordneter im EU-Parlament, der für einen Platz auf der Europaliste scheiterte, nun eine Chance für den Sprung nach Berlin. Er wurde im Oberspreewald-Lausitz-Kreis, wo die Sozialdemokraten den Ost-SPD-Mitbegründer Stephan Hilsberg abwählten, als Direktkandidat ins Rennen geschickt. Und das, obwohl Brie auch für die Linken als sehr unorthodox gilt. "Ich bin stolz auf meine pluralistische Basis", sagt dazu Kreischef Gerd-Rüdiger Hoffmann. Er legt Wert darauf, dass die Kandidatur kein Anliegen von Brie selbst, sondern eine Initiative des Kreisverbandes war, den Politiker zu gewinnen, auf den die Linke "nicht verzichten" könne. Landeschef Nord wurde davon "überrascht". "Es gibt ein Bedürfnis, dass in der Linken auch PDS pur Platz hat", sagt er nun.