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| 01:04 Uhr

Das Kreuz der Union mit dem Wahlkampf im Osten

Jörg Schönbohm, stellvertretender Ministerpräsident in Potsdam und Parteichef der märkischen Christdemokraten, verkörpert in seiner Person exemplarisch all die Widersprüchlichkeiten, von denen der Wahlkampf der Unionsparteien derzeit überschattet wird. Von johann legner

Schönbohm hat mit seinen Anmerkungen zu den Babymorden von Frankfurt (Oder) eine erste Wutwelle bei Ostdeutschen ausgelöst. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU macht er noch einmal deutlich, wie sehr ihn dies überrascht hat - auch wenn ihm schon sehr schnell klar geworden sei, dass er missverstanden werden konnte. Aber, so Schönbohm weiter, er habe auch nicht im Traum daran gedacht, dass die Ost-West-Unterschiede bei diesem Wahlkampf überhaupt eine größere Rolle spielten. Es sei ihm in den letzten Wochen bei vielen Einzelgesprächen noch einmal richtig verdeutlicht worden, wie schwer das wechselseitige Verstehen sei , vielleicht in den letzten Jahren erst geworden sei. Denn die immer wiederkehrende Erfahrung der Arbeitslosigkeit, auch die Angst davor, habe die Menschen geprägt. Dies sei Anfang der 90er-Jahre noch einfacher gewesen. Umgekehrt sei diese Grundstimmung im Osten seinen westdeutschen Freunden auch nur schwer vermittelbar. Die verstünden dann wiederum nicht, worin sich der große Zulauf für die PDS begründe. Stoiber, so Schönbohm, sei doch immer als Verfechter der Einheit aufgetreten. Er habe beispielsweise dafür gesorgt, dass der Bundesrat nicht am Rhein bleibt, sondern nach Berlin umzieht. Und die CDU sei stolz auf ihre Leistung als Partei der Einheit gewesen.
Jetzt, so Schönbohms Einschätzung, müsse das Thema raus aus dem Wahlkampf, weil es ansonsten nur zu neuen Verhärtungen und Feindbildern führe. Denn tatsächlich seien Ost und West so aufeinander angewiesen, dass es keine wirklichen Interessengegensätze gebe.