Tunesien: Dort wo der Arabische Frühling begann, ist die Demokratisierung am weitesten vorangeschritten. Elf Monate nach dem Sturz des Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali bekam das Land seinen ersten demokratisch gewählten Präsidenten. Der frühere Menschenrechtler Moncef Marzouki legte am 13. Dezember seinen Amtseid ab. Die ersten freien Wahlen am 23. Oktober hatte die islamistische Ennahda-Bewegung um Rachid Ghannouchi mit großem Vorsprung gewonnen. Unter Ben Ali galt sie als extremistisch und war verboten. Zweitstärkste Kraft wurde Marzoukis Mitte-Links-Partei CPR (Kongress für die Republik), die sich mit der Ennahda-Partei verbündete.

Ägypten: Nach tunesischem Vorbild demonstrierten am 25. Januar im ganzen Land Zehntausende. Husni Mubarak wurde am 11. Februar nach 30 Jahren im Amt gestürzt, das Militär übernahm die Macht. Mubarak soll für den Tod von 846 Menschen während der Proteste mitverantwortlich sein und muss sich deshalb vor Gericht verantworten. Viele Ägypter sehen aber ihre Hoffnungen auf einen demokratischen Wandel enttäuscht und gehen immer wieder auf die Straße. Zuletzt gab es vor und während der Parlamentswahlen heftige Krawalle rund um den Tahrir-Platz in Kairo. Dabei kamen etwa 50 Menschen ums Leben. Die Lage bleibt instabil. Der regierende Militärrat kündigte Präsidentschaftswahlen bis Ende Juni an. Zunächst wählen die Ägypter aber noch bis Januar ihr neues Parlament.

Syrien: Auch im Polizeistaat des Präsidenten Baschar al-Assad forderten am 18. März erstmals Tausende Demonstranten Reformen. Die Proteste wuchsen, am 22. April verlangten im ganzen Land 100 000 Menschen ein Ende der Gewaltherrschaft. Seitdem hat sich die Lage dramatisch zugespitzt, das Regime geht weiterhin hart gegen Oppositionelle vor. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden bisher mehr als 5000 Menschen getötet, unter ihnen 300 Kinder. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, wirft dem Assad-Regime Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Da eine steigende Zahl an Deserteuren aus der syrischen Armee sich mit der Opposition verbündet hat, befürchten Beobachter einen Bürgerkrieg.

Jemen: Im Armenhaus der arabischen Halbinsel riefen Demonstranten im Januar eine Protestbewegung zum Sturz des seit 33 Jahren herrschenden Staatschefs Ali Abdullah Salih ins Leben. Zehntausende gingen auf die Straße, Sicherheitskräfte schossen gezielt auf Demonstranten. Salih wird von seinen Gegnern für den Tod von rund 1500 Menschen seit Beginn der Protestwelle verantwortlich gemacht. Im Juni hatte der bei einem Anschlag schwer verletzte Präsident sein Land verlassen. Am 23. November erklärte er in Saudi-Arabien schriftlich seinen Verzicht auf die Macht. Eine Interims-Regierung, die je zur Hälfte aus Vertretern der Opposition und der Salih-Partei besteht, hat die Arbeit aufgenommen. Am 21. Februar soll ein neuer Präsident gewählt werden.

Libyen: Die Protestwelle schwappte am 15. Februar auch auf Libyen über. In Bengasi kam es zu Zusammenstößen zwischen Aufständischen, Polizei und Anhängern von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Blutige Kämpfe folgten, die zum Bürgerkrieg eskalierten. Am 19. März starteten die USA, Frankreich und Großbritannien erste Luftangriffe gegen libysche Militäreinrichtungen.

Nach dem Sturm der Rebellen auf die Hauptstadt Tripolis im August blieb der Diktator zunächst verschwunden. Er wurde am 20. Oktober in seiner Heimatstadt Sirte von Rebellen getötet. Die neue Übergangsregierung unter Abderrahim al-Kib soll jetzt den demokratischen Aufbau in dem Land in Angriff nehmen.