Brandenburg hat 2015 eine Welle der Einwanderung erlebt, vor allem aber eine Welle des Gemeinwohls. In zahlreichen Orten bildeten sich Initiativen, die die Neuankömmlinge unterstützten. Von den Bildern aus der Bundeshauptstadt Berlin, wo die Menschen unter unwürdigsten Verhältnissen vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) dahinvegetierten, blieb das Land verschont.

Zwar mussten entgegen den ersten Ankündigungen der Landesregierung auch in Brandenburg Menschen in Zelten untergebracht werden, zwar brauchte es auch hierzulande Sport- und Messehallen für die Flüchtlinge. Doch das ganz große Chaos ist ausgeblieben - Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) handelte mit der Schaffung seines Asylkabinetts zwar bemerkenswert spät, aber er handelte.

Persönliches Engagement

Wobei das Engagement der Landesregierung in den vergangenen Monaten oft eher abstrakt blieb - auf einer persönlichen Ebene hatte zumindest aus dem Blickwinkel des Korrespondenten 2015 ein anderer die Nase vorn: Kaum jemand aus dem Brandenburger Politikbetrieb dürfte sich so sehr persönlich für Flüchtlinge aus Syrien engagieren wie Landtagsvizepräsident Dieter Dombrowski (CDU). Vieles von dem, was der Havelländer Abgeordnete für die Menschen aus den Kriegsgebieten unternimmt, bekommt man in Potsdam eher durch Zufall mit: Dombrowski und sein Büro helfen den Menschen in ihren Asylverfahren, organisieren Spendenlieferungen nach Kurdistan und sorgen dafür, dass ein junger Syrer ein Praktikum im Landtag machen kann.

Überhaupt, die CDU: Zu den persönlich größten Überraschungen des Jahres gehört der stabile und solide Kurs, den die größte Oppositionsfraktion im Landtag derzeit fährt. Das Bild der "Brandenburger Schlachteplatte" scheint vergessen. Nach den Rücktritten von Generalsekretärin Anja Heinrich und des Landesvorsitzenden Michael Schierack im Frühjahr hinterlassen Partei und Fraktion unter Ingo Senftleben, Jan Redmann und Steeven Bretz einen gut geführten und vor allem auch gut organisierten Eindruck. Ein Zustand, den der CDU in Potsdam in den vergangenen Jahren wohl niemand mehr zugetraut hatte, und der die Partei mittelfristig sogar regierungsfähig machen könnte.

Womit sich die Christdemokraten auch deutlich von einer anderen Oppositionsfraktion unterscheiden. Die Alternative für Deutschland (AfD), die im Herbst 2014 auch in Brandenburg noch als scheinbar bürgerliche Partei in den Landtag gekommen war, rückte im Laufe des Jahres immer weiter nach rechtsaußen. Dass der Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland Flüchtlingshelfer in einer Rede als "Nützliche Idioten" bezeichnete, war dann der Punkt, der das Fass an vielen Stellen zum Überlaufen brachte und dazu führte, dass die AfD von den übrigen Parteien im Landtag heute eigentlich genauso behandelt wird wie einst die rechtsextreme DVU.

Und sonst? Der BER ist immer noch nicht fertig, und ob er das 2017 noch wird oder doch erst 2018, kann derzeit wohl kein Mensch zuverlässig sagen. Ministerpräsident Dietmar Woidke regiert so vor sich hin, Kreativität sieht anders aus.

Von einer großen Liebe kann man zwischen den Koalitionsfraktionen derzeit nicht sprechen: Vor allem die Linke war das ganze Jahr über damit beschäftigt, sich nach der Wahlniederlage von 2014 zu profilieren, oft auf Kosten der SPD, deren am 19. Dezember dieses Jahres verstorbener Fraktionschef Klaus Ness immer wieder damit beschäftigt war, die Wogen zu glätten. Aber immerhin ist das Kabinett stabil geblieben: Innenminister Karl-Heinz Schröter, dessen Ernennung vor allem für die Linkspartei zu Beginn der Legislaturperiode noch ein Albtraum war, hat sich etabliert.

Dass sein Staatssekretär Arne Feuring im April nach peinlichen Falschaussagen in diversen Ausschüssen gehen musste, ist angesichts des dynamischen Auftretens seines Nachfolgers Matthias Kahl schon fast vergessen.

Veränderungen in der Regierung

Im kommenden Jahr allerdings wird es in der Brandenburger Landesregierung wohl Veränderungen geben: Kultusministerin Sabine Kunst wird aller Voraussicht nach die Leitung der Berliner Humboldt-Universität übernehmen.

Und ob der von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen stolpernde Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) auch am Ende des kommenden Jahres noch dem Kabinett angehören wird, ist zumindest eine Frage, die derzeit wohl gestellt werden darf - allen Treuebekundungen des Ministerpräsidenten zum Trotz.