Am Fifa-Skandal führt im Hauptquartier des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne kein Weg vorbei. Wer in die Kantine will, blickt seit dem gestrigen Montagmorgen auf Zeitungsartikel, die über die Empfehlung von IOC-Präsident Thomas Bach berichten, dass der Fußball-Weltverband sich nach dem Vorbild der olympischen Familie reformieren soll. "Es gibt eine generelle Diskussion unter allen IOC-Exekutivmitgliedern", erklärte IOC-Sprecher Mark Adams zur Fifa-Krise. "Wir werden die weiteren Entwicklungen sehr genau beobachten."

Während das in Lausanne tagende IOC-Exekutivkomitee laut Adams keine konkreten Entscheidungen treffen oder Empfehlungen zum Fifa-Korruptionsskandal geben wollte, wurde Bach-Nachfolger Alfons Hörmann deutlicher.

"Am Beispiel des IOC kann man wunderschön erkennen, wie man Themen regeln kann und wie man sie regeln muss, um wieder Glaubwürdigkeit zu erlangen", sagte am Montag der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Man sieht aber auch, wie lange es dauert, bis dann ein anderes Bild vermittelt wird."

Das IOC war Ende der 90er-Jahre durch einen Bestechungsskandal vor den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City erschüttert worden. Dabei waren zehn IOC-Mitglieder ausgeschlossen worden oder zurückgetreten. Daraufhin wurde eine Null-Toleranz-Politik in der olympischen Agenda verankert und der Kampf gegen Korruption gestärkt.

Als Folge des Skandals sind seitdem Visiten von IOC-Mitgliedern in Olympia-Bewerberstädten verboten. Zudem wurde die Amtszeit des Präsidenten auf zwölf Jahre begrenzt und das Höchstalter der IOC-Mitglieder auf 70 Jahre limitiert. "Alles, was mit den Regeln der Transparenz zu tun hat, wird nach meinem Verständnis im IOC-Bereich mustergültig gelebt", meinte Hörmann.

Auch für die Fifa könnte eine Beschränkung der Amtszeit des Präsidenten eine Reformmaßnahme sein: "Dass man sagt, acht plus vier Jahre, wie im IOC, wäre vielleicht eine denkbare Variante." Fifa-Präsident Joseph Blatter war bis zu seinem Rücktritt nach der Wiederwahl 17 Jahre im Amt.

"Wenn Dinge möglich sind, wie es bei der Fifa der Fall ist, bei denen stark über finanzielle Zuwendungen gestaltet wird, ist die Gefahr sehr groß, dass ein Amtsinhaber Möglichkeiten hat, das Wohlwollen sehr kreativ so zu gestalten, wie er das für richtig hält", sagte Hörmann. Dann könne eine Amtszeitbeschränkung Sinn machen.

Ein gutes Beispiel gibt das IOC auch bei der Wahl der Olympia-Städte. "Im IOC vergibt immerhin die 100 plus x-köpfige IOC-Familie die Spiele", sagte er. Im Falle der Fifa sei es nur der kleine Kreis der Exekutivmitglieder. Ob dieses Verfahren eins zu eins auf den Fußball-Weltverband mit seinen 209 Mitgliedsverbänden übertragbar ist, sieht Hörmann kritisch. Für ihn wäre es "ein gewisser Trugschluss", wenn man annimmt, dass die Probleme nur damit zu lösen wären, wenn zukünftig nicht mehr dieser kleine Kreis, sondern alle Nationen über die Vergabe von WM-Turnieren entscheiden würden.

Um die Fifa zu reformieren und sie auf einen Weg der Glaubwürdigkeit zu führen, könne man solche Dinge nicht "als Blaupause" lösen, sondern müsse mit einem "schlagkräftigen Team" einen eigenen Weg gehen. "Da steht und fällt sicher vieles mit der Frage, wer Nachfolger von Sepp Blatter wird. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist nach Hörmanns Ansicht ein geeigneter Fifa-Chef: "Ob er das könnte und die Fähigkeiten dazu hat, diese Frage kann man klar und messerscharf mit einem Ja und einem Ausrufezeichen versehen."