Die Weihnachtsgeschichte zum Tatort-Fall zu machen? Mit Maria und Josef und einem Kind namens Jesus? Das konnte nur nach hinten losgehen. Ist es auch. Ein Roller fahrender Chaos-Kommissar in Yoga-Hosen stellt die Toleranz der Tatort-Fans schon ausreichend auf die Probe, die Bibel als Fernsehunterhaltung mit gefühlt 200 Nebensträngen hat den Geduldsfaden nun wirklich endgültig zum Reißen gebracht.

Wer nach dem Krimi-Unfall an Weihnachten dann entschieden hatte, den letzten Tatort des Jahres am Sonntagabend nicht mehr sehen zu wollen, hat dummerweise eine der besten Tatort-Folgen des Jahres verpasst. Der jüngste Fall der Münchener Ermittler Leitmayr und Batic wirkte wie eine Art großes bayrisches "Ätschibätsch" an alle Tatort- und Polizeiruf-Macher, die sich in den letzten Monaten in ihrer Experimentierfreude verlaufen haben und die Freunde des klassischen Krimis vergrault haben. Der Bayern-Tatort war nach langer Zeit noch mal einer, der ein aktuelles Thema - Kinderpornografie im Internet - zumindest halbwegs realitätsnah abgebildet hat. Und den Zuschauer noch einmal zum Mitermitteln angeregt hat. Bis kurz vor Schluss gab es ausreichend Verdächtige. Dass selbst bis in die kleinsten Nebenrollen - einschließlich der Jungdarsteller - wirklich gute Schauspieler am Werk waren, hat dem Premium-Krimi ein Sahnehäubchen aufgesetzt. Und das ganz ohne Experimente. Daumen hoch!