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Das Glück wohnt weiter im Norden

Die Deutschen sind zwar nicht das glücklichste Volk in Europa – die allgemeine Lebenszufriedenheit hat hierzulande aber einen neuen Spitzenwert erreicht. Das geht aus dem Glücksatlas 2016 hervor, einer Langzeitstudie, die die Deutsche Post seit 2010 einmal jährlich erstellt. Stefan Vetter

Wo ist das Glück zu Hause?
Nach wie vor im Norden Deutschlands. Allerdings hat der Süden aufgeholt. Das gilt laut Glücksatlas vor allem für Franken, Baden und Hessen. Auf einer Skala von null bis zehn ist die Lebenszufriedenheit bundesweit um rund 0,1 Punkte auf 7,11 Prozent gestiegen. Schon 2015 hatte sie mit 7,02 Punkten einen neuen Höchstwert erreicht.

Was macht Deutsche glücklich?
"Die objektiven Lebensumstände haben sich deutlich verbessert", meinte Bernd Raffelhüschen, Finanzwissenschaftler an der Uni Freiburg und Mitautor der Studie. Als Stichworte nannte der Experte das Beschäftigungswunder der letzten Jahre, hohe Reallohnzuwächse sowie eine spürbar gestiegene Kaufkraft. Einen vergleichbaren Boom habe es zuletzt in den 1960er-Jahren gegeben, so Raffelhüschen.

Was zeigt der Regionalvergleich?
Am zufriedensten sind die Menschen nach wie vor in Schleswig-Holstein (7,41). Das gilt besonders für ihre Wohn- und Freizeitsituation. Ebenfalls

überdurchschnittlich glücklich ist man in Franken (7,22). Auf den Plätzen drei bis 13 folgen Regionen in der alten Bundesrepublik: Niedersachsen/Nordsee (7,22), Baden (7,21), Hessen (7,2), Hamburg (7,2), Nordrhein/Köln (7,18), Bayern-Süd (7,17), Württemberg (7,15), Niedersachsen/Hannover (7,14), Westfalen (7,12), Nordrhein/Düsseldorf (7,09) und Rheinland-Pfalz/Saarland mit 7,08 Punkten.

Warum sind die Menschen im Osten unglücklicher?
Die Experten sehen die Ursachen in den immer noch vergleichsweise niedrigeren Einkommen und den vielerorts höheren Arbeitslosenzahlen. So liegen die Zufriedenheitsgrade im Osten durchweg unter der Sieben-Punkte-Marke, wobei Thüringen (6,94) im Vorjahresvergleich den größten Sprung nach vorn gemacht hat (siehe Grafik).

Wie halten es die Deutschen mit der Zuwanderung?
Die deutlichen Zufriedenheitsunterschiede haben auch mit der Flüchtlingssituation zu tun. Während 70 Prozent der Westdeutschen die Aussage begrüßen, dass Deutschland durch die Einwanderung vielfältiger wird, sind es im Osten nur 56 Prozent. Je mehr Kontakte zu gebürtigen Ausländern bestehen, desto toleranter ist auch das Verhältnis zur Zuwanderung.

Gibt es in Brandenburg und Sachsen auch Glück?
Natürlich. In keiner anderen deutschen Region sind so viele Menschen verheiratet oder leben mit einem Partner zusammen wie in Brandenburg (74 Prozent). Liebevolle Partnerschaften und Familien gelten als wichtiger Glücksfaktor. Und die Sachsen sind überdurchschnittlich mit ihrer Arbeit zufrieden.

Wer sind die Glücks-Europäer?
Im europäischen Vergleich liegt Dänemark an der Spitze, gefolgt von den Niederlanden, Schweden und Großbritannien. Von 33 Staaten rangiert Deutschland auf Platz neun. Schlusslichter sind Portugal, Serbien, Bulgarien und Griechenland.

Wie wird das Glück vermessen?
Grundlagen sind das Sozio-ökonomische Panel, eine repräsentative Befragung zur Lebenssituation in mehr als 12 000 deutschen Privathaushalten sowie weitere Umfragen wie das EU-weite Eurobarometer.

Mehr Schaubilder zum Glück der Deutschen:

www.gluecksatlas.de