| 02:41 Uhr

Das Geschäft läuft auf dem Trockenen

So wie der Alberthafen in Dresden sieht ein Binnenhafen aus. "Mühlberg ist davon weit entfernt", sagt SBO-Chef Heiko Loroff. Ohne Gleisanschluss gebe es wenig Entwicklungspotenzial.
So wie der Alberthafen in Dresden sieht ein Binnenhafen aus. "Mühlberg ist davon weit entfernt", sagt SBO-Chef Heiko Loroff. Ohne Gleisanschluss gebe es wenig Entwicklungspotenzial. FOTO: Frank Claus
Dresden/Mühlberg. Gütertransport auf der Elbe ist ein Nischenprodukt. Auch in der Geschäftsbilanz der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe (SBO). Frank Claus

Ob es Heiko Loroff, Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe, schon bereut hat, den Betreibervertrag für den Hafen im brandenburgischen Mühlberg unterschrieben zu haben? Obwohl er nicht direkt zum Firmenverbund der SBO gehört, haben die Entwicklungen am Brandenburger Standort breiten Raum in der Vorstellung der Geschäftsbilanz eingenommen.

Auch wenn umgeschlagene 9400 Tonnen schon einen Zuwachs von 45 Prozent im Vergleich zu 2015 bedeuten würden und somit 22 Schiffe beladen worden seien, bleibt der Mühlberger Hafen momentan eher ohne große Bedeutung. "Nur weil du eine sanierte Kaikante hast, hast du noch lange keinen funktionierenden Umschlagplatz", sagt Heiko Loroff und stellt klar: "Ohne Bahnanschluss wird das nie ein richtiger Hafen."

Nach Investitionen in Straßen, Hafen und wasserseitige Hafeneinfahrt nun auch noch einen Gleisanschluss? Und das alles ohne potenzielle Kunden in der Hinterhand? Schon einmal sind Hoffnungen auf eine wirkliche Nutzung durch den Windflügelhersteller Vestas wie eine Seifenblase zerplatzt. Heiko Loroff weiß um die Brisanz, zieht aber nicht zurück. "Wenn Brandenburg diesen Hafen will, dann muss er ganz oder gar nicht entwickelt werden." Das brauche auch Zeit. Mehr als anderthalb Jahre sei in Mühlberg nichts passiert. Nun gebe es in Zusammenarbeit mit der Stadt zumindest erst einmal eine Hafen-, eine Betriebsdienst- und eine Entgeltordnung.

Doch die Binnenschifffahrt auf der Elbe bleibt nicht nur im Hafen Mühlberg ein Problem. Nur zwölf Prozent des gesamten Güterumschlags (2,64 Millionen Tonnen) durch die SBO erfolgte im Jahr 2016 auf Schiffe in den sechs Häfen des Firmenverbundes und im Hafen Mühlberg. Die trimodale Aufstellung (Schiene, Straße, Wasserstraße) werde, so Heiko Loroff, am Ende bei 20 Millionen Euro Jahresumsatz zu einem ausgeglichenen Betriebsergebnis führen. Etwa 1,66 Millionen Tonnen Güter habe das Transportlogistikunternehmen über die Straße abgewickelt, 746 000 Tonnen per Schiene.

Dass der Binnenschiffsumschlag trotz anhaltend niedriger Wasserstände von Mai bis Oktober dennoch gesteigert werden konnte, bestätige, dass Gütertransport auf der Elbe eine Zukunft habe. Das Binnenschiff, so der Geschäftsführer, gehöre "als Transportträger bei ausreichendem Wasserstand der Elbe weiterhin zu den ökologischsten und ökonomischsten Transportmöglichkeiten." Zeitweise habe die Nachfrage nach verfügbarem Schiffsraum nicht bedient werden können. Vor allem die Binnenhäfen Dresden und Roßlau hätten eine deutliche Steigerung des Schiffsumschlages um 67 Prozent (Roßlau) und 35 Prozent (Dresden) erzielt.

Einbrüche beim Container-, Düngemittel- und Getreideumschlag hätten die Bahn-Bilanz am Hafenstandort Riesa vermasselt. "Die Weltwirtschaft macht um uns keinen Bogen", so der SBO-Geschäftsführer. "Wenn weniger geerntet wird, merken wir das sofort", so Heiko Loroff. Zudem sei auch im Hamburger Hafen das Containergeschäft rückläufig gewesen. Doch genau von Entwicklungen in der Elbmetropole will Riesa profitieren. Dort wird die Containeraufstellfläche als Hinterland für den Hamburger Elbehafen von jetzt 35 000 auf 100 000 Container beträchtlich erweitert. Zudem solle Riesa noch intensiver Dienstleistungsaufgaben, zum Beispiel Reparaturen an Containern, übernehmen.

Binnenschifffahrt auf der Elbe werde nach Ansicht des BUND auch nach den Festlegungen im Elbekonzept weiterhin wenig sinnvoll bleiben. Selbst, wenn wie im Elbekonzept angedacht, die Fahrtiefe bis zu 20 Zentimeter verbessert werden könnte, "wäre das neue Mindestziel einer Fahrrinnentiefe von 1,40 Meter an 345 Tagen im Jahr noch in weiter Ferne", sagt Iris Brunar vom BUND Elbeprojekt. Eine Tiefe von 1,20 Meter sei im Jahr 2016 an 65 Tagen nicht erreicht worden, in 2015 hätte die Tiefe sogar 154 Tage darunter gelegen.

"Über die Elbe werden auch in Zukunft mit dem Gesamtkonzept Elbe nicht mehr Transporte abgewickelt werden. Der in den Planungen für den Ausbau des Hafens Riesa prognostizierte Anstieg des wasserseitigen Umschlags entbehrt jeglicher Grundlage", so Felix Ekardt, Landesvorsitzender des BUND Sachsen.

Zum Thema:
Die trimodale Aufstellung des Hafenverbundes SBO (Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH) habe dafür gesorgt, dass die sechs Binnenhäfen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, der Tschechischen Republik sowie der brandenburgische Hafen Mühlberg trotz widriger Transportbedingungen wieder annähernd das Transportergebnis von 2015 erreichen konnten. Insgesamt wurden nach Unternehmensangaben 2,64 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen, ohne den baubedingt ruhenden Umschlagbetrieb im Hafen Torgau. Zum Hafenverbund gehören die Binnenhäfen in Dresden, Riesa, Torgau, Decín, Lovosice und Dessau-Roßlau. In Mühlberg ist die SBO Betreiber des Hafens. Schrott, Container, Sojaschrot, Stahlbleche, Flussspat, Düngemittel, Stammholz und Projektladungen gehören zu den im Hafenverbund transportierten Gütern.