Gurmail M. ist eine elegante Erscheinung. Dunkle Hose und Pullover, im offenen weißen Hemdkragen hängt ein dünner schwarz-weißer Schal. Den Anklagevorwurf, von 2003 bis 2007 mit zeitweise drei Restaurants systematisch Einkommens- und Umsatzsteuer hinterzogen zu haben, weist der 47-Jährige vor dem Cottbuser Landgericht weit von sich. Probleme habe es mit seinen Steuerberatern gegeben, räumt der Restaurantbetreiber ein. Doch absichtlich getäuscht habe er nie.

"Mein Mandant hat seine Kasse nach bestem Wissen und Gewissen geführt", versichert für ihn auch seine Rechtsanwältin Claudia Thiessat.

Eine Mitarbeiterin der Steuerfahndung schildert am Dienstag vor dem Landgericht als Zeugin jedoch eine Kassen- und Buchführung bei Gurmail M., die an dieser Erklärung erhebliche Zweifel weckt. Eine Betriebsprüfung und zwei anonyme Anzeigen hatten die Gastronomiebetriebe von M. ins Fadenkreuz der Fahndung gerückt. Dazu kam eine Verdachtsanzeige wegen Geldwäsche, und später zeigte auch ein ehemaliger Mitarbeiter Gurmail M. an.

Im Februar 2008 wurden deshalb die Wohnung des Gastronomen und drei damals von ihm betriebene Gaststätten durchsucht. Akten und die Daten der elektronischen Kassen wurden gesichert und ausgewertet. Nach der Zeugenaussage der Steuerfahnderin kamen dabei erstaunliche Ungereimtheiten zutage.

Jede Restaurantkasse, so erläuterte sie, liefere ein Mal pro Tag einen speziellen Beleg, der jeden Geschäftsvorgang erfasse. Nur Berechtigte mit einem speziellen Schlüssel, in der Regel der Inhaber, könnten diese Belege ziehen, die abgelegt werden müssen und Basis der Buchhaltung seien.

In den Gaststätten des angeklagten Gastronomen seien diese Belege nicht vollständig und zum Teil mit nachträglich geändertem Datum versehen gewesen. Außerdem hätten die daraus ermittelten Durchschnittspreise für Speisen und Getränke oft weit unter den preiswertesten Angeboten der Karte gelegen.

"Das kann nicht stimmen", versicherte die Zeugin. In einem Lokal sei an einem Tag sogar ein negativer Umsatz für Getränke ausgewiesen worden. Danach hätten die Gäste noch Geld dafür bekommen, dass sie sich zuprosteten.

Für ein Lokal von Gurmail M. schilderte die Steuerbeamtin, wie sie versucht habe, den wirklich erzielten Umsatz zu ermitteln. Ausgangspunkt waren dabei die vermutlich korrekt verzeichneten Einkäufe. Aus den Mengen von Mehl, Reis und Teigwaren habe sie hochgerechnet, wie viel Pizza, Reis- und Nudelgerichte über den Küchentresen gegangen sind. Die Differenz zu den Buchungen der elektronischen Kasse war nach Auskunft der Zeugin hoch. Nur etwa ein Drittel des Wertes der verkauften Ware sei danach auch als Einnahme verbucht worden.

Die Kasse eines der drei Lokale sei außerdem laut einem Sachverständigenbericht so eingestellt gewesen, dass Buchungen storniert werden konnten, ohne auf dem Tages-Sammelbeleg erkennbar zu sein. "Ob das benutzt wurde, weiß ich jedoch nicht", schränkte sie ein. Nach den nachträglichen Schätzungen seiner wirklich erzielten Umsätze in den fraglichen Jahren durch das Finanzamt hatte sich Gurmail M. mit der Behörde außergerichtlich auf eine Nachzahlung geeinigt. Dadurch gibt es keinen finanzrechtlichen Streit mehr zwischen dem Restaurantbetreiber und den Steuerkontrolleuren.

Gurmail M. sagte vor Gericht, er habe sich auf diesen Deal eingelassen, weil er befürchtete, bei einem länger dauernden Streit um die Nachzahlungssumme und dafür fällige Zinsen sein Restaurant, das er seit 2002 betreibt, ganz zu verlieren. Darin stecke aber seine ganze Arbeit, die er geleistet habe.

Die Vereinbarung mit dem Finanzamt schafft aber nicht den strafrechtlichen Vorwurf gegen Gurmail M. aus der Welt. Ob er absichtlich bei den Steuererklärungen trickste und täuschte, muss das Landgericht nun klären. Am Freitag wird der Prozess mit Zeugenaussagen fortgesetzt.