Drei Thesen haben sich in der Zukunftsdebatte der RUNDSCHAU, die über nahezu zehn Monate geführt wurde, herauskristallisiert (siehe Außenspalte). Rund 30 Gastbeiträge von Autoren aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen, dazu ebenso viele redaktionelle Artikel, fügten der Debatte immer wieder neue Akzente hinzu. Die Reaktionen der Leser - print und online - bestätigten, dass sich die Lausitzer Gedanken um die Zukunft machen. Dass sie es vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung (siehe Infobox) und der Ungewissheit um die Zukunft der Braunkohle in der Region für geboten halten, tragfähige Konzepte für die Zeit ab 2030 zu erarbeiten.

Wie leben wir im Jahre 2030? Rund um diese Frage hatten sich die Meinungsbeiträge gruppiert. Sie waren von Optimismus und Schwarzmalerei ebenso geprägt wie von Tatendrang und Ungeduld. Das Finale der Aktion ist jetzt längst kein Ende der Debatte um Lausitz 2030. Denn übrig bleibt: Wie werden aus Visionen tatsächlich Handlungsprofile?

Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke hat der Region, in der auch er zu Hause ist, während der Mediennacht der RUNDSCHAU Mitte September ins Stammbuch geschrieben: "Die Impulse für die künftige Entwicklung müssen aus der Region selbst kommen." Er ließ keinen Zweifel, dass die drei Thesen zu Lausitz 2030 "eine gute Grundlage für das Weiterdenken sind". Für Woidke hat "die Lausitz eine gute Perspektive - als Energie- und Wirtschaftsregion, als Touristenmagnet, als kulturelles Zentrum".

Und dennoch: In ausfinanzierte Zukunftskonzepte gegossen ist nichts. Deshalb fragt sich, wer wird jene vorgetragenen Visionen, oft Fiktionen, sondieren und in Machbares ummünzen? Sollte es ein An-Institut der BTU - also eine eigenständige Forschungseinrichtung an der Hochschule -

oder eine Stiftung sein, ein virtueller Lausitz-Vorstand oder ein "Rat der Lausitz-Weisen", die all das kanalisieren, was der Zukunft der Lausitz gut tun könnte?

In den drei Thesen spiegelt sich diese Forderung ebenso wider wie der Vorschlag, die Lausitz als Modellregion für den demografischen Wandel auszuwählen. Das Ifo-Institut Dresden regt in einer Studie aus dem Jahre 2013 die Ausschreibung von Wettbewerben zur Zukunftsfähigkeit an. Das Leben im Reallabor, so die Autoren, könnte Rezepte für die Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit liefern und deren Wirksamkeit testen.

Ob die länderübergreifende Lausitz das hinbekommt? Sachsens Staatskanzlei will flexible und regional angepasste Lösungen, dabei aber nicht als Akteur, sondern als Stütze auftreten. Das heißt: Die Lausitz muss aktiv werden und nicht zuerst nach Potsdam und Dresden schielen. Schon gar nicht warten, sondern anpacken. Sie hat gute Ausgangspositionen - nicht nur wegen der beiden Lausitzer Ministerpräsidenten.

Zehn Monate lang hat die RUNDSCHAU-Serie "Lausitz 2030" Visionen für die Region beleuchtet. Der Abschluss ist kein Ende der Debatte. Mischen Sie sich weiter ein: www.lr-online.de/lausitz2030

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THESE 1: Die Lausitzwird zur ModellregionBrandenburg braucht eine Modellregion - und keine Region ist dafür besser geeignet als die Lausitz. Die Lausitz war schon oft Experimentierkasten der Nation, ein Reallabor, etwa wenn es um die Rekultivierung alter Bergbaugebiete geht. Die Menschen sind flexibel, die Jungen wollen bleiben und etwas aufbauen. Deshalb braucht die Lausitz eine langfristig angelegte Sonderförderung, die gezielt und nach klarem Konzept in den Wandlungsprozess gesteckt wird. Davon profitieren alle anderen ländlichen Regionen Brandenburgs.

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THESE 2: Die Lausitz bekommt einen VorstandDie Lausitz braucht ein klares Zielfoto, einen Masterplan und ein verantwortliches Gremium, das diesen Prozess steuert. Einen "virtuellen Vorstand", wie es der BASF-Geschäftsführer Karl Heinz Tebel in einem der Lausitz-2030-Beiträge ausgedrückt hat. Gemeint ist ein führender, von allen wichtigen Akteuren auch auf Landes- und Bundesebene anerkannter Zusammenschluss, der abrechenbare Ziele verfolgt, regelmäßigen Zugang zu den Landesregierungen hat und in den Landesparlamenten gehört wird. Der länderübergreifende "Rat der Lausitz-Weisen" braucht unabhängige Regionalvertreter.

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THESE 3: Stärkung vonBildung und WissenschaftDie Palette der Themen, die bearbeitet werden müssen, ist groß. Aufbau einer neuen Wirtschaftsstruktur, Förderung von experimentierfreudigen Start-ups, enge Zusammenarbeit mit bestehenden innovativen Unternehmen, neue Lebensformen auf dem Land - das sind nur wenige der Forschungsfelder - BTU und Schulen müssen dazu einen großen Beitrag leisten. Es geht in diesen Bereichen um mehr exzellente Ergebnisse. Utopisch? Nein. Nur eine Frage des Willens, der Prioritätensetzung im Land und damit natürlich auch des Geldes.

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1990 haben in der Lausitz noch knapp 1,4 Millionen Menschen gelebt. Im Jahre 2012 waren es nur noch 1,1 Millionen. Nach einer Studie des Ifo-Institutes Dresden aus dem Jahre 2013 werden sich die wesentlichen Trends der Vergangenheit in Bezug auf Bevölkerungsrückgang und -alterung auch in Zukunft fortsetzen. Die Wissenschaftler sagen voraus, dass die Lausitz von ihren jetzt 1,1 Millionen Einwohnern weitere rund 22 Prozent verlieren wird, um 2030 bei einer Größenordnung von rund 870 000 Einwohnern anzukommen. "Die Demografie birgt Zukunftsrisiken", sagen die Forscher, sehen zugleich aber die von mehreren Branchen getragene Industrie der Region als Chance.