Nach dem Aufsehen, das der sensationelle Fund erregte, wurde es zunächst wieder still. Doch jetzt kommt erneut Leben in die Angelegenheit: Die Firma Baumaschinen-Service (BMS) mit Sitz in Ostritz, die den Wagen vor vier Jahren bereits geborgen hatte, bekam von der Stadt Görlitz den Auftrag für den ersten Bauabschnitt der Rekonstruktion. "Dieser beinhaltet die Herstellung eines neuen ‚Grundgerippes', an dem die noch verwendbaren Einzelteile des Originals ihren Platz finden sollen", erklärt Werkstattleiter Hans-Joachim Grasse.
Ursprünglich hatte man auch den Wiederaufbau des Originals in Betracht gezogen. "Der größte Teil ist jedoch so marode, dass dies mit vertretbarem Aufwand nicht möglich ist", muss Hans-Joachim Grasse einschätzen. So entschied sich die Görlitzer Denkmalschutzbehörde für den anderen Weg - den Wagen von Grund her neu aufzubauen und mit möglichst vielen Original- sowie originalgetreu nachgearbeiteten Teilen auszustatten.
Doch auch das ist noch aufwändig genug. "Damals hat man alles in purer Handarbeit hergestellt", erklärt Hans-Joachim Grasse. "Diesen Weg müssen wir auch heute beschreiten, wenn der neue Wagen authentisch bleiben soll." Das Dach beispielsweise ist laut Werkstattleiter nicht mehr verwendbar. Bei den Beschlägen der Fenster und Türen muss man noch entscheiden, ob die Aufarbeitung der Originalteile Sinn hat. "Kein Brett gleicht exakt dem anderen."
Besonderes Kopfzerbrechen bereitet ihm und seinen Mitstreitern jedoch das Fahrgestell - es ist nämlich gar nicht mehr vorhanden. "Deshalb interessieren wir uns für Film- und Fotoaufnahmen aus Görlitz um 1890, auf denen die damaligen Straßenbahnwagen zu sehen sind und bitten Bürger, die solche Aufnahmen besitzen, sie uns zur Verfügung zu stellen." Hans-Joachim Grasse reiste auch schon nach Köln, um in einem Museum nach Hinweisen zu suchen, allerdings ohne Erfolg. Offenbar unterschied sich die Bauweise der Wagen in allen Städten, die über Pferdestraßenbahnen verfügten.
Der zeitliche Fortgang der Arbeiten hängt von den finanziellen Mitteln ab. "Deshalb kann ich noch nicht sagen, wie lange die Rekonstruktion dauern wird", so der BMS-Werkstattleiter. Das Geld für die gegenwärtigen Arbeiten stellte die Görlitzer Altstadtstiftung bereit.