Dezent geschminkt, das schwarze Oberteil schlicht, aber edel, und mit aufmerksamen Blick erzählt sie von ihrem sozialen Engagement und dem ersten Jahr als First Lady. Ihre Worte wählt sie behutsam. "Es ist ein neuer Beruf, ein Ehrenamt", sagt sie über ihre Aufgaben an der Seite ihres Mannes, Horst Köhler.
Ihre Vorgängerin Christina Rau galt als kerniger Typ, der sich abseits des Protokolls mit Fallschirmspringen vergnügte. Eva Köhler ist natürlich anders - und sie versucht gar nicht erst, in die Fußstapfen von markanten Frauen wie Mildred Scheel oder Veronica Carstens zu treten. "Da muss jeder seinen eigenen Weg finden", findet sie. Bei öffentlichen Auftritten ist sie Hand in Hand mit ihrem Mann oder dezent im Hintergrund zu sehen. Die Politik ist seine Sache, nicht ihre, auch wenn sie selbst einmal auf Kommunalebene politisch aktiv war - allerdings in der SPD, aus der sie 1990 austrat.
Ob sich die First Lady eine Porzellanausstellung ansieht oder für Unicef und Müttergenesungswerk unterwegs ist, bei ihren Terminen ist sie gut vorbereitet und auf die Sache konzentriert. Eitelkeit und Egozentrik sind Eva Köhler fremd. "Ich bin nicht im Showgeschäft", sagt sie. Der "Stern" glaubt: "Sie fühlt sich nicht wohl als Gruß-Eva mit Parfümwölkchen im Haar." Wenn das stimmen sollte, lässt sie sich davon nichts anmerken. Oft in knielangen Röcken, macht die zierliche 58-Jährige, die noch immer etwas mädchenhaftes hat, eine gute Figur.

Typische Biografie
Geboren wurde Eva Luise Bohnet 1947 als jüngste von drei Schwestern im schwäbischen Ludwigsburg. Ihren Mann hat sie als junge Frau nach einem Kinobesuch kennen gelernt, als sie ihm Schutz unter ihrem Regenschirm anbot. 1969 heirateten die beiden, sie arbeitete mehrere Jahre als Sonderschul- und als Grundschullehrerin, unter anderem in Bonn. Auch heute interessiert sich die Pädagogin für Themen wie Erziehung, Bildung und die Ergebnisse des Pisa-Tests. "Das lässt mich natürlich nicht kalt."
Familie ist für Eva Köhler ein "Zusammenhalt, ein gegenseitiges Interesse am anderen, Geborgenheit". Für die Kinder, Ulrike und Jochen (der mit 17 Jahren Vater wurde), gab sie ihren Beruf für einige Jahre auf - eine typische deutsche Biografie für Frauen ihrer Generation.
Soziales Engagement ist traditionsgemäß eine Sache der Frau des Bundespräsidenten. Eva Köhler hat "Achse" ausgewählt, die Allianz chronischer seltener Erkrankungen. Der Dachverband will zum Beispiel Familien helfen, wenn kein Arzt sagen kann, woran ein Kind leidet, die Odyssee durch die Kliniken beginnt und dann die oft erschreckende Diagnose kommt. Köhler weiß, wovon sie spricht: Ihre heute 32 Jahre alte Tochter erblindete als Jugendliche durch eine seltene Augenkrankheit. Das sei aber nicht das vorherrschende Argument für "Achse" gewesen, betont sie.
Auf die Frage, welche Rolle sie bei der Arbeit ihres Mannes spielt, gibt sich Eva Köhler zurückhaltend. "Wir unterhalten uns über seine Arbeit und über meine Arbeit." Ihr Alltag? "Ich gehe verhältnismäßig oft ins Büro und habe in der Woche viele Termine. Wenn ich nicht ins Büro gehe, wird mir die Post ins Haus geliefert", sagt sie. Zu ihrer Arbeit gehören Gespräche, Engagements, Defilees, Vorbereitungen auf Reisen und viel Lektüre. Privat greift sie am liebsten zu Biografien und manchmal zu Krimis. Einen Chor hat sie in Berlin auch schon gefunden, Eva Köhler singt leidenschaftlich gern.

Unerkannt einkaufen
Die neue Rolle scheint ihr zu gefallen. "Ich habe mich darüber gefreut, wie positiv und wie freundlich die Menschen uns gegenüber getreten sind", sagt Eva Köhler über das erste Jahr. Besonders beeindruckt haben sie die Reisen nach Afrika und nach Israel mit dem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem. Allmählich wird auch sie zur öffentlichen Person. Zuerst hat sie niemand erkannt, als sie in Berlin-Dahlem, wo die Köhlers wohnen, einkaufen ging. "Dann spricht sie jemand an, dann merken sie allmählich an den Blicken, dass die Leute sie erkennen. Aber das ist ok."
An Auskünfte über Privates, zum Beispiel, warum ihre Ehe schon seit mehr als 35 Jahren hält, muss sich die First Lady noch etwas gewöhnen. "Das ist immer eine nette Frage", sagt sie lachend. Und gibt dann wieder eine ernste Antwort. Wichtig seien Anteilnahme und gegenseitige Wertschätzung - und fügt zu letzterem hinzu: "Das funktioniert nur, wenn sie sich lieben."
Die Allianz chronischer seltener
Erkrankungen im Internet:
www.achse-online.de