Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) lobt seine Solarreform gern als Instrument, um endlich den deutschen Boom zu bändigen. Doch bevor sich ihre ganze Wirkung zeigen wird, muss Altmaier erst einmal neue Rekordzahlen beim Bau von Solaranlagen für 2012 zur Kenntnis nehmen. Das Gezerre über die Förderkürzungen hatte eine Art Schlusskauf ausgelöst. Denn alle wussten: Künftig gibt es weniger Geld. Altmaiers Problem: Was positiv für die Energiewende sein mag, kann neue Belastungen für die Stromrechnungen der Bürger bedeuten.

Nach 7500 Megawatt installierter Solarleistung im Jahr 2011 kletterte der Wert im abgelaufenen Jahr auf 7630 Megawatt. Erreicht sind nun insgesamt schon 32 400 Megawatt. Zum Vergleich: Die neun noch laufenden Atomkraftwerke in Deutschland haben eine Leistung von rund 12 600 Megawatt. Sie erzeugen aber mehr als dreimal so viel Strom wie die inzwischen 1,3 Millionen Solaranlagen, weil die Sonne halt nicht immer scheint. Zugleich hat der Solarstrom aber merklich die Einkaufspreise für Strom gesenkt und vermeidet durch die starke Zunahme hohe Kosten für fossile, klimaschädliche Brennstoffe.

Ein besonders großes Dilemma: Ein zu hohes Ausbautempo treibt die Förderkosten der Verbraucher. Sie müssen die Differenz zwischen dem am Markt für den Strom erzielten Preis und dem festen Fördersatz per Ökoenergie-Umlage über ihre Stromrechnung bezahlen. Die Vergütungen werden auf 20 Jahre für jede Kilowattstunde garantiert. 2013 werden wohl rund zehn Milliarden Euro nur an Vergütungen für Solarstrom verteilt.

Der Energieexperte Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte im Juni die Reform als "Kompromiss zulasten Dritter" bezeichnet und weit drastischere Einschnitte gefordert. Die schwarz-gelbe Bundesregierung werde als die erfolgreichste Solarregierung in die Geschichte eingehen. "Aber zugleich auch als diejenige mit den höchsten Strompreissteigerungen."

Positiv findet Krawinkel, dass die neue Reform bei zu hohem Ausbautempo nun automatische, monatliche Förderkürzungen verankert hat, daher könnte die noch ausstehende Förderung nicht mehr so stark die Stromrechnungen belasten wie die bisher installierten Solaranlagen. Ein Herzstück ist zudem, dass es bei einer installierten Leistung von 52 000 Megawatt für weitere Anlagen kein Geld mehr geben wird, sie müssen sich selbst tragen. Daher könnte schon Ende 2015 Schluss sein mit dem Geldsegen. Deshalb besteht zugleich die Gefahr eines weiter hohen Zubaus, da alle noch etwas vom Förderkuchen abhaben möchten.

Altmaiers Ministerium betont, mehr als 80 Prozent des Zubaus seien auf die Regelungen vor der Novelle zurückzuführen. "Seit Oktober geht der zuvor unkontrollierte Zubau der Fotovoltaik signifikant zurück", sagt ein Sprecher. Aber auch wenn man die Zahlen seitdem hochrechnet, lässt sich der von Altmaier anvisierte Ausbaukorridor von 2500 bis 3500 Megawatt pro Jahr kaum einhalten. Daher ist Altmaiers angekündigtes Abbremsen längst nicht ausgemacht.

Dass trotz des Booms mehrere Solarunternehmen in die Insolvenz schlitterten, liegt am ruinösen Preiswettkampf der Konkurrenz aus China und an fehlenden anderen großen Absatzmärkten. Zugleich ist das Kostensenkungspotenzial enorm, noch 2009 wurden mehr als 40 Cent Vergütung je Kilowattstunde für eine Dachanlage gezahlt. Nun sind es nur noch 17 Cent - und noch immer ist das höchst lukrativ.

Verbraucherschützer Krawinkel betont, dass beim Solarbereich von den Kosten her kaum noch was zu ändern sei. Das größte Kostenrisiko gehe künftig von der Windkraft auf See aus.