Es müssen schon sehr triftige Gründe gewesen sein, die de Maizière dazu gebracht haben, das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Frankreich am Dienstag kurz vor dem Anpfiff abzublasen. Schließlich sollte die Veranstaltung ein Zeichen gegen den Terror sein, ein Symbol gegen den Schrecken von islamistischen Fanatikern. Nachdem am Freitagabend in Paris das Länderspiel Deutschland-Frankreich zum Ziel blutiger Attacken wurde, sollte die Partie in Hannover die Botschaft aussenden: Wir haben keine Angst, wir beugen uns nicht. Die Kanzlerin und ihr Vizekanzler wollten demonstrativ auf der Tribüne sitzen, de Maizière auch. Doch nun beugt sich auch die deutsche Gesellschaft der Bedrohung. Zumindest ein Stück weit.

Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, sagt de Maizière. "Wir alle hatten uns auf das Spiel gefreut. Das Spiel war eine besondere Geste. (...) Umso bitterer ist eine solche Entscheidung - und umso schwerer ist sie uns gefallen. Aber in einer solch schwierigen Lage hat im Zweifel der Schutz der Menschen Vorrang. Und diesen Zweifeln sind wir heute deswegen gefolgt."

Was genau für eine Bedrohung dahinter steckt, das will de Maizière nicht verraten. Aus Sicherheitskreisen heißt es, die Deutschen hätten den Hinweis auf einen drohenden Sprengstoffanschlag von Islamisten erhalten. Doch der Minister will zu den Hintergründen kein Wort sagen. Ja, er verstehe all die Fragen - danach, woher der Hinweis komme, wie konkret er sei und wie groß die Bedrohung. Aber er bitte um Verständnis, dass er darauf nicht antworten werde, sagt de Maizière. "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern."

Mit Terrorhinweisen ist es so eine Sache. Nach Anschlägen wie in Paris strömt eine Flut von Informationen auf die Sicherheitsbehörden in Deutschland ein. Viele wollen etwas gesehen oder gehört haben. Einige wollen sich wichtig machen. Andere sehen die Chance, selbst mal Chaos und Furcht zu verbreiten durch falsche Spuren. "Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben der Sicherheitsbehörden, die Seriosität, die Glaubwürdigkeit, die Ernsthaftigkeit solcher Hinweise zu bewerten", sagt de Maizière. "Denn schlägt man solche Hinweise in den Wind, kann das fatale Auswirkungen haben. Nimmt man jeden Hinweisen für bare Münze, dann betreiben wir das Geschäft derer, die mit diesen Hinweisen Angst und Schrecken verbreiten wollen."

Hat de Maizière richtig gehandelt? Das lässt sich von außen kaum bewerten. Hat er eine gute Figur gemacht? Das lässt sich bewerten. Der Deutsche Journalisten-Verband zumindest hat de Maizière kritisiert. Mit seinem "Ein Teil meiner Antwort"-Zitat habe der Innenminister ohne Not selbst zur Verunsicherung beigetragen, sagte de Vorsitzende Frank Überall am Mittwoch "Das hätte er besser nicht erwähnt."

Auch Polizeigewerkschafter äußern sich irritiert. Die Aussage sei grenzwertig, meint der Vize-Vorsitzende Jörg Radek. "Die Wirkung eines solchen Satzes birgt eine gewisse Brisanz."

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Seit Wochen steht Thomas de Maizière in der Kritik, jetzt erntet er noch zusätzlich Spott in den Sozialen Medien. Unter dem Hashtag #DoItLikeDeMaiziere wird ein Zitat des Ministers nach dem abgesagten Spiel zum Lacher. Einige Beispiele: @_moshkito: "Schatz, liebst du mich noch?" "Ein Teil der Antworten würde dich nur verunsichern." @ralfheimann "Sagen Sie, was machen Sie als Minister denn so den ganzen Tag?" "Ein Teil meiner Antwort würde Sie verunsichern."