Nach der Welle der Weißer-als-Weiß-Waschmittel besinnt man sich nach und nach auf das Bläuen mit dem einst weltweit bekannten sächsischen Pulver, das Gerd Bochmann (51) aus Albernau bei Schneeberg nach einem streng gehüteten Geheimrezept wieder herstellt.
Das Blau spielt in der 1649 von Erasmus Schindler gegründeten Fabrik bei Schneeberg eine große Rolle. Rund 200 Jahre lang hat man hier aus Erzabfällen Kobaltblau gewonnen. Das Farbpulver lieferte man überwiegend an Porzellanfabriken. Als die Zechen zumachten, begann man ab 1855 in Albernau blaue Pigmente synthetisch herzustellen: das Ultramarinblau. Es leitete eine kleine Revolution in den Waschtrögen ein. Denn gab die damals arg geplagte Hausfrau dem letzten Spülwasser in einem Leinensäckchen das ultramarinblaue Pulver hinzu, wurde danach die Wäsche besonders weiß.
Liebevoll verpackt trat der blaue Weißmacher in Pulver- oder Würfelform seinen Siegeszug um die Welt an. Ob in Thailand, Jamaika, Ägypten oder Syrien - in bis zu 120 Staaten wurde er exportiert. "Leuchtete beispielsweise der weiße Beduinenmantel, den die arabischen Männer in Nordafrika trugen, hatte das Pulver aus Sachsen daran oft seinen Anteil", weiß der Erzgebirgler. Auch in den 50er und 60er Jahren gehörte es noch in jede gute DDR-Waschküche. Anfang der Siebziger gab man aber die Produktion auf, weil man meinte, dass so ein altmodisches Mittel schlecht zur modernen DDR passt. Man konzentrierte sich fortan auf Pigmente für das Einfärben von Kunst- und Betonstoffen.
Auch anno 2002 stellt man in Albernau vor allem Farben her. Aber man war nach der Wende nicht so blauäugig, die Waschblau-Tradition in der Schublade zu lassen. "Immer mehr Kunden wollen bewusst die Umwelt schonen. Und da unser Aufheller toxisch völlig unbedenklich ist und niemals die Wäschefaser angreift, trifft man mit ihm eine gute Wahl", wirbt der Geschäftsführer. Um den Effekt "Aha, das gibt's auch wieder" zu erzielen, wird das Pulver sogar in der gleichen Verpackung wie vor Jahrzehnten mit der stilisierten Hausfrau am Waschbrett und dem Schneeberg im Hintergrund angeboten.
Apropos Angebot. Das beschränkt sich auf den Ossi-Versand und auf den Manufactum-Warenkatalog. "Denn in Weißer-als-Weiß-Zeiten hat es ein nostalgisches Produkt schwer, in die Supermarkt- oder Drogerieregale zu kommen", weiß Gerd Bochmann.