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| 02:43 Uhr

"Das bin nicht mehr ich"

Was tut eine Tochter, wenn der eigene Vater sie bittet, ihm beim Sterben behilflich zu sein? Mit großer Offenheit spricht Schriftstellerin Emmanuele Bernheim, Jahrgang 1955, über eine sehr persönliche Entscheidung und eines der großen Tabus unserer Gesellschaft. Es geschieht in einer französischen Reha-Klinik. Ida Kretzschmar

Der Vater, ein Pariser Kunstsammler und Lebemann, hat einen schweren Schlaganfall erlitten. Halbseitige Lähmung, Windeln, Augen ohne Blick, Sabbern, Depressionen. "Das bin nicht mehr ich", stöhnt der 88-jährige Mann, der ein schillerndes Leben liebte, immer voller Vitalität steckte. Mit einer einzigen Handbewegung stürzt er seine Tochter in einen tiefen Gewissenskonflikt. Während er die Worte formt: "Ich möchte, dass du mir hilfst, Schluss zu machen", hält er die Hand in die Luft wie ein Pianist am Ende eines Stückes, wenn er zum Schlussakkord ansetzt. Die Tochter nimmt Verbindung zu einem Verein in der Schweiz auf, der für das Recht eintritt, über sein Leben selbst zu bestimmen. Ein aufwühlender und doch zärtlicher Bericht über das Glück des Lebens und die Freiheit zu sterben.

Emmanuele Bernheim: Alles ist gutgegangen, Hanser Verlag, 205 Seiten, 18,90 Euro.