Zwar ist eine Mehrheit (54 Prozent) immer noch der Auffassung, dass Lehrer viel zu viel über ihre berufliche Belastung klagen, doch dass die Pädagogen zu viel Freizeit haben, finden nur 37 Prozent. Mehr noch: „Man gewinnt den Eindruck, dass die Bevölkerung die Lehrer wirklich nicht beneidet“, so am Donnerstag die Chefin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, bei der Vorstellung einer Schul-Umfrage unter 1800 Bürgern.

Eine Mehrheit der Eltern sagte selber, „Eltern kümmern sich zu wenig“, so Köcher. Und viele sehen vor allem erheblichen Verbesserungsbedarf an den Schulen: kleinere Klassen, weniger Stundenausfall, mehr Deutschkurse für ausländische Schüler und eine bessere Ausstattung. Und nun kommen auch die Lehrer wieder ins Spiel: Mehr als die Hälfte der Bürger finden, für die Pädagogen ist es im aktuellen System Schule anstrengend, sie tragen große Verantwortung und müssen viele elterliche Erziehungsfehler ausbügeln. Dass sie viel Geld verdienen, glauben hingegen lediglich 32 Prozent.

Oft heißt es, wenn Schüler keine guten Leistungen bringen, liegt es am Lehrer. Die Umfrage bestätigt das zum Teil: 68 Prozent der Bürger glauben, schlechte Leistungen sind darauf zurückzuführen, dass viele Lehrer mit ihren Klassen überfordert sind. 47 Prozent denken, die Pädagogen sind zu wenig engagiert.

Offenbar wissen viele aber auch, dass man die Fehler ebenso bei den Jugendlichen suchen sollte: Wenn Schüler keine guten Leistungen bringen, „schauen sie zu viel Fernsehen oder spielen zu viel am Computer“, sagen 68 Prozent. 60 Prozent sind der Meinung, dass sie sich zu wenig für den Unterricht interessieren und 45 Prozent glauben, dass die Schüler zu wenig für die Schule in ihrer Freizeit tun. Lediglich 14 Prozent sind der Auffassung, „die Anforderungen an die Schüler sind zu hoch“.

Geht es darum, was Schule vermitteln soll, sind die Aussagen eindeutig: 88 Prozent der Befragten wollen gute Beherrschung von Rechtschreibung und Grammatik, 84 Prozent eine gute Allgemeinbildung. Für Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme plädieren 66 Prozent, 65 Prozent wollen Konzentrationsfähigkeit vermittelt wissen – heutzutage „eine große Herausforderung“, so Köcher.

Trotz Pisa-Schock schneiden die Schulen beim Thema Wissensvermittlung überraschend gut ab. Naturwissenschaftliche und historische Kenntnisse sind den meisten Befragten dabei weniger wichtig als Sprache, Mathe und Englisch. Die Schule werde zu oft als „Reparaturbetrieb“ verstanden, kommentierte der Vorsitzende des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Alles in allem seien aber „die deutschen Lehrer besser als ihr Ruf“.