Bier. Schon die großen Könige nutzten es einst, um sich einen Rausch anzutrinken. Heute gilt es noch immer als das meistverzehrte alkoholische Getränk in Deutschland; manch einer glaubt sogar, mit seinem Konsum tatsächlich die Rettung des Regenwaldes vorantreiben zu können. Dem Kultfaktor des Getreidegebräus kann kein anderes Genussmittel das Wasser reichen. Es ist zumindest kaum überliefert, dass ein Haufen Zechbrüder jemals von Pub zu Pub gezogen wäre, um ein "Rum-Diplom" zu machen oder sich beim "Wein-Pong" zu verlustieren.

Auch in der Lausitz spielt Bier eine nicht unerhebliche Rolle. Sie hat sich zwar nicht derart als Biermetropole etabliert wie zum Beispiel Bayern, dennoch blickt man in der Region auf eine durchaus weitreichende Tradition zurück. Olaf Wirths vom LaBieratorium aus Cottbus behauptet sogar: "Die Lausitzer Brautradition währt länger als die von Bayern. Als die noch sauren Wein getrunken und sich an den Römern orientiert haben, wurde hier schon Bier gebraut."

Erst vor vier Monaten hat er die hiesige Bierlandschaft erweitert und Cottbus wieder einen eigenen Gerstensaft geschenkt. Anfang dieser Woche erhielt das neue Brauunternehmen allerdings schon seinen ersten Preis. Für sein Exemplar "F 60 Paranoid IPA" durfte der Brauerei-Neuling beim International Craft Beer Award eine von 281 ausgelobten Medaillen entgegennehmen. Wirths: "Wir sind damit die erste Brauerei, die eine internationale Medaille nach Brandenburg holen konnte." Damit soll laut Wirths der Beweis erbracht worden sein, dass sich Cottbus in Sachen Bier nicht mehr verstecken müsse.

Wird die Lausitz also wieder ein Zugpferd unter den Bierregionen? So wie im 17. Jahrhundert, als Cottbuser Biere bis nach Stockholm kutschiert worden sind? Gemach, gemach. Gerade in Görlitz gibt es mit der Landskronbrauerei und der Löbauer Bergquell Brauerei zwar zwei Leuchttürme, die als mittelständische Unternehmen schon mal 200 000 Hektoliter im Jahr produzieren können. Trotzdem gehört die Lausitz im Brauerei-Ranking weiterhin eher in die David-Abteilung als zu den Goliaths. Und das ist auch gut so.

Markus Klosterhoff, seines Zeichens Braumeister im Finsterwalder Brauhaus, bekommt jedenfalls keine Minderwertigkeitskomplexe, wenn er von seiner kleinen Bierheimat spricht. "Wir als Lausitz sind ein ganz kleines Licht - aber ein Licht am Horizont. Es lohnt sich, auch hier Bier zu trinken." Das Kleine als Vielfarbigkeit. Das kann das Geschäftsmodell sein. Vom Kircher Brauhaus in Drebkau, das deutschlandweit das einzige Gurkenradler herstellt, bis hin zu Worrich's Brauhaus in Forst, das den Betrieb eingestellt hat, früher aber mit der "Schwarzen Jule" einen Renner landete, hat die Lausitzer Bierlandkarte wunderbare Schätze zu bieten.

Weniger ist also mehr. Daran glaubt auch Olaf Wirths. "Das Identifikationsbewusstsein wächst wieder", sagt er. Mit Craft Beer, also dem handwerklich und in kleinen Mengen produzierten Bier, sei endlich ein Gegenentwurf zum Industriebier auf dem Markt, das keiner mehr voneinander unterscheiden könne. "Bier muss nicht immer gleich schmecken. Es gibt noch 149 andere Sorten außer Pils." Wirths glaubt, dass somit die Wertschätzung für das Produkt steigt. Denn: "Wir brauchen Biere mit Ecken und Kanten."