Und als wäre das noch nicht genug, schwelgte auch die Bundesregierung in fußballerischen Erinnerungen. "Sportlich, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch" sei die Weltmeisterschaft ein voller Erfolg gewesen, erklärte Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gestern bei der Vorstellung des politischen WM-Abschlussberichts, den das Kabinett offiziell "zur Kenntnis" genommen hatte.
Fünf Monate nach den begeisternden Auftritten von Schweini, Poldi & Co lebt das Thema "noch immer", stellte Schäuble begeistert fest. Dabei hatte es wahrlich nicht Unkenrufen gemangelt. Allein die personenbezogenen Eintrittskarten waren ein heiß diskutiertes Ärgernis. Zuletzt schien gar die Sicherheit der Zuschauer akut gefährdet, wie die Stiftung Warentest bei Überprüfungen der WM-Stadien herausfand. Am Ende wurde es eine tolle und vor allem friedliche Party, die so gar nicht zur verzagten Selbstwahrnehmung der Deutschen passen wollte. Entsprechend groß war das Staunen bei den internationalen Gästen. Das Deutschlandbild im Ausland sei mit der WM enorm aufgewertet worden, konstatierte Schäuble. Die deutschen Botschaften kabelten dann auch begeisterte Kommentare ins Berliner Regierungsviertel: "Die WM hat die Marke Deutschland mehr verbessert als es eine Millionen politischer Press ekampagnen bewirkt hätte", hieß es laut Abschlussbericht zum Beispiel aus unserer Vertretung in Schweden. Und aus London kam die frohe Botschaft: "Kein Ereignis dürfte seit dem Mauerfall das Deutschland-Image so intensiv und so positiv beeinflusst haben."
Freilich sorgte die Weltmeisterschaft auch für ökonomische Impulse. So erhöhte sich der Umsatz während der WM-Wochen allein im Gastgewerbe um 300 Millionen Euro. 50 000 neue Jobs sind nach Angaben von Wirtschaftsverbänden entstanden. Die Deutsche Bahn beförderte zusätzlich 15 Millionen Reisende. Das Organisationskomitee erzielte einen Überschuss von 135 Millionen Euro vor Steuern. Allein durch den Verkauf der Eintrittskarten kamen 20 Millionen Euro mehr in die Kasse als geplant, weil die Organisatoren nur eine Stadionauslastung von 95 Prozent einkalkuliert hatten. In Wirklichkeit waren es nahezu 100 Prozent.
Schäuble räumte ein, dass das wunderbare Sommermärchen längst von offenem Ausländerhass besonders in den unteren Fußball-Klassen überschattet wird. Doch sonderlich thematisieren wollte er diese alarmierende Tatsache nicht. Was den Rassismus angehe, so stehe man nach der WM besser da, befand Schäuble. Die Spiele seien eine "wirkliche Werbeaktion gegen Ausländerfeindlichkeit und für Integration gewesen". DFB-Präsident Theo Zwanziger, der dem Innenminister bei der Vorstellung des Berichts vor der Presse assistierte, versprach ein konsequenteres Vorgehen gegen den Rassismus in deutschen Fußball-Stadien.
Blieb am Ende die Frage, wer nun eigentlich politisch von dem Großereignis profitiert hat. "Die WM hat uns allen genutzt", antwortete Schäuble. Dann fügte er gönnerhaft hinzu: "Mit der alten Regierung wäre die Weltmeisterschaft wahrscheinlich auch gut gegangen."