Dank der Vermittlung des deutschen Oberst Johann F. bekam ich im Verlaufe meiner Reise die Gelegenheit für ein längeres Gespräch mit dem afghanischen Zwei-Sterne-General Afzal Azam.

Der ehemalige Mudschaheddin kämpfte in der Nordallianz sowohl gegen die Sowjets als auch gegen die Taliban und führt jetzt, unter anderem beratend unterstützt durch Oberst F., im afghanischen Verteidigungsministerium ein Ressort, das neben anderen die Einsätze der Afghanischen Armee (Ana) steuert. "Unser Land hat noch einen langen Weg vor sich. Aber ich bin optimistisch, was seine Zukunft angeht", äußerte er mir gegenüber. Nicht zuletzt dank des Aufbaus von Armee und Polizei mit je 190 000 Mann werde es gelingen, die Taliban an der erneuten Machtübernahme zu hindern, fuhr er fort. Zudem, so der General, lehne der überwiegende Teil der Bevölkerung, anders als in den Wirren des Bürgerkriegs von 1989 bis 1994, das Gedankengut der Taliban strikt ab. Das allein reicht aber kaum, um Afghanistan die nötige Sicherheit zu geben. Viel wichtiger ist es, die Sicherheitskräfte auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten. Eine Aufgabe, der sich die Nato Training Mission Afghanistan (NTM-A) widmet. Sie ist die derzeit wohl wichtigste Komponente des Isaf-Einsatzes und organisiert landesweit die Ausbildung der Soldaten und Polizisten. Darüber hinaus überwacht sie die Finanzierung des Projektes. Die Schaltzentrale der NTM-A liegt inmitten der Green Zone, einem Hochsicherheitstrakt im Herzen Kabuls, der dennoch nicht von Anschlägen verschont bleibt. "Alle Soldaten, die hier rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche arbeiten, leisten einen guten Job", betont Johann F. Von deutscher Hand gelenkt werden dabei unter anderem die Programme zur Alphabetisierung der Re kruten. Noch immer sind 80 Prozent der Männer des Lesens und Schreibens unkundig; ein Ergebnis der Talibanpolitik. Doch nur wenn sie lesen und schreiben können, sind sie in der Lage, moderne Technik zu bedienen, eine Luftwaffe zu unterhalten und Geräte zu warten. "Gut geschulte und gebildete Soldaten und Polizisten sind das beste Ausstiegsticket für uns aus der gesamten Mission. Bildung heißt der Schlüssel für die Zukunft", sagte mir ein für die NTM-A tätiger deutscher Offizier.

Gut achtzig Prozent der täglichen Kampfhandlungen im Land werden bereits von der Ana eigenständig durchgeführt. Mit sehr guten Erfolgen. Ein Beleg dafür, dass das Ausbildungskonzept greift. Bedauerlich nur, dass diese Aufgabe immer weniger von deutscher Seite begleitet wird. Schon heute sitzen in den Schlüsselressourcen nur acht Bundeswehroffiziere. Im Vergleich dazu - Kanada stellt hierfür 400 Mann ab. Ein Manko, das General Aman bedauert. "Wir haben den Deutschen viel zu verdanken, nicht nur in dem von ihnen verwalteten Norden Afghanistans." Ausdrücklich würde er es begrüßen, wenn deutsche Soldaten den afghanischen Sicherheitskräften auch nach 2014 beratend und unterstützend zur Seite stehen würden.