Es brechen schwere Zeiten an für Schwarzgeld-Besitzer, die ihr im Ausland gebunkertes Vermögen vor dem Fiskus verbergen. Nicht nur, dass es für Steuerbetrüger schon ab Januar deutlich teurer und komplizierter wird, per Selbstanzeige straffrei davonzukommen. Auch deshalb schießt die Zahl derer, die noch einen Offenbarungseid vor dem Finanzamt leisten, in diesem Jahr auf ungeahnte Rekordhöhen. Vor allem aber gibt es bald kaum noch Fluchtburgen auf der Welt, um Geld illegal parken zu können.

Das jedenfalls ist der Plan der zunächst 51 Staaten, die am Mittwoch in Berlin ein weitreichendes Abkommen über den automatischen Austausch in Steuersachen unterzeichneten. Unterstützt werden der grenzüberschreitende Datenaustausch und das Regelwerk bisher von insgesamt 65 Staaten, darunter von Finanzzentren wie der Schweiz, Liechtenstein, Singapur und den Cayman- oder den Kanal-Inseln.

Mit den globalen Standards der Industrieländer-Organisation OECD verpflichten sich die Länder, sich ab Herbst 2017 über Auslandskonten von Privatpersonen zu informieren. Das über Jahrzehnte gehütete Bankgeheimnis ist praktisch passé. Die Schweiz gehört zwar nicht zu den Erst-Unterzeichnern, will aber später dazustoßen. Die USA, die zu den Vorreitern beim bilateralen Datenaustausch gehören und ein eigenes Anti-Steuerflucht-Gesetz auf den Weg brachten, zögern noch. Manches Land sperrt sich ganz. Es wird daher dauern, bis auch der letzte Steuersumpf trockengelegt ist.

Aber selbst sonst besonders kritische Nichtregierungsorganisationen wie das weltweite Netzwerk TJN loben das Abkommen als Fortschritt. Zumal es gerade einmal eineinhalb Jahre gedauert hat, bis sich der Staatenbund auf die einheitlichen Regeln und OECD-Standards verständigt hat. Und weil künftig weit mehr Kapitalerträge und Finanzströme erfasst werden als bisher und auch die üblichen Vehikel und Konstrukte der Verschleierungs-Experten. Kein Vergleich zum lückenhaften und umständlichen Datenaustausch der Vergangenheit, der ein sehr zähes Geschäft war. Oft hatten Behörden einen Verdacht, wussten aber gar nicht, wo sie anfangen sollten. Anfragen hatten sich von vornherein erledigt. Viele Staaten zogen sich auch auf das Bankgeheimnis zurück und mauerten komplett.

Bei allem Jubel über den "Meilenstein" - im Detail gibt es natürlich Kritik: Es gebe immer noch viele Schlupflöcher für die ganz, ganz Reichen, moniert die Organisation "Tax Justice Network" (TJN). Aus ihrer Sicht könnten die Daten auch nur eingeschränkt genutzt werden, lediglich in Steuerangelegenheiten. Geldwäsche und Korruption könnten auch künftig nicht so verfolgt werden wie eigentlich nötig. Kritisiert wird eine Ungleichbehandlung von Ländern. TJN-Analyst Markus Meinzer macht ein "Zwei-Klassen-Steuerrecht" aus. Zwar gebe es jetzt das multilaterale Abkommen und viele gute Absichten. Die Regeln seien aber zu locker formuliert. Jeder Staat könne selbst entscheiden, welchem anderen Land er welche Daten übermitteln wolle. Befürchtet wird, dass nur Länder mit großem Drohpotenzial ausreichend Informationen erhalten. Anderen Staaten, vor allem Entwicklungs- und Schwellenländern, könnten Informationen verwehrt werden.

Was wiederum vor allem westliche Banken nutzen könnten, um verstärkt Vermögende und Klienten aus ärmeren Ländern als Kunden zu gewinnen und so Ausfälle zu kompensieren.

Der Chef der Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, warnt, dass das Ganze als Papiertiger endet. Er sieht auch die Bundesregierung in der Pflicht, für Ressourcen in den Finanzämtern zu sorgen: "Nichts wäre doch schlimmer, als dass wir Jahrzehnte die Forderung gestellt haben, und hinterher endet der Datenaustausch in einem Nirwana."

Zum Thema:
Bisher waren Schlupflöcher von Steuerbetrügern im Ausland für den Fiskus kaum auffindbar. Für die Steuerbehörden wird es jetzt deutlich einfacher, Finanzinformationen aus dem Ausland zu erhalten. Für den normalen Bankkunden mit Inlandskonten ändert sich nichts. Es geht um Daten all der nicht im Inland ansässigen Bankkunden, die Geldhäuser der teilnehmenden Länder einmal im Jahr erfassen und an die nationalen Finanzbehörden weiterleiten müssen. Diese reichen die verschlüsselten Daten dann an die Steuerbehörden der jeweiligen Heimatländer weiter. Gemeldet werden unter anderem Namen, Adresse, Kontonummer, Kontostände von Depots und Einlagekonten sowie Zinsen, Dividenden, Einnahmen aus bestimmten Versicherungsverträgen, Verkaufserlöse aus Finanzgeschäften, Treuhandgesellschaften und Stiftungen. Von 2016 an werden diese Daten für neue Konten durch die meldepflichtigen Institute erfasst, etwa Banken oder bestimmte Versicherer. Der Informationsaustausch unter den Ländern soll dann im September 2017 starten für Daten des Steuerjahres 2016.