Waffen, Drogen, oder gefälschte Pässe: Im Darknet gibt es einiges, was Kriminelle begehren. In diesem speziellen Bereich des Internets ist es möglich, nahezu anonym unterwegs zu sein. Das nutzen Kriminelle aus.

Auch der Amokläufer von München hatte nach Angaben der Ermittler seine Waffe, mit der er neun Menschen und sich selbst erschoss, über das Darknet besorgt. Neben dem Bundeskriminalamt (BKA) sind auch die Länder an diesem Thema dran.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) informierte sich in dieser Woche beim baden-württembergischen Landeskriminalamt über die Arbeit der dortigen Ermittler. "Heute muss sich niemand mehr in schmuddeligen Bahnhofsecken herumtreiben, um Waffen oder Drogen zu kaufen", sagt LKA-Leiter Ralf Michelfelder. "Es genügt der Computer zu Hause, und der Zugang zur Unterwelt findet im eigenen Wohnzimmer statt."

Das sei auch für Menschen interessant, die sich ansonsten nie getraut hätten, etwas illegal zu kaufen oder zu verkaufen. "Denn alles passiert dort scheinbar anonym und deshalb risikolos." Doch zur Übergabe der Ware oder auch des Geldes müssen die Geschäftspartner in die ganz reale Welt. "Das ist unser Ansatzpunkt", sagt der LKA-Präsident.

Details ihrer Arbeit geben die Ermittler nicht preis. Nur so viel: Die Spezialisten sind selbst im Darknet unterwegs und arbeiten Hand in Hand mit Observationskräften. Thorsten Kercher ist 26 Jahre alt und einer der LKA-Spezialisten für Kriminalität im Internet. Er zeigt, wie einfach das Herunterladen des Tor-Browsers ist, den man für den Zugang zum Darknet benötigt. Fünf Minuten - und der Computer ist startklar für die virtuelle Schattenwelt.

Den Tor-Browser herunterzuladen, ist noch kein Verbrechen. "Den Browser darf man auch nicht verteufeln", sagt Kercher. Mit seiner Hilfe seien auch Menschen im Internet unterwegs, die in politischen Systemen lebten, in denen Meinungsfreiheit nicht viel gelte.

Der Tor-Browser verschleiert die Verbindungsdaten, über die sich die Nutzer im Internet normalerweise identifizieren lassen. Kercher zeigt einige Angebote im Darknet: Ein Gramm Kokain ist für 75 Euro zu haben. Das sei relativ günstig, sagt der Experte. Der Konkurrenzdruck im Darknet sei so groß, dass die Preise zuletzt gefallen seien. Er zeigt eine Handfeuerwaffe, die für 500 britische Pfund angeboten wird - mit Magazin und wenn gewünscht auch mit Munition. Auf einer anderen Seite gibt es gefälschte 50-Euro-Scheine, "wirklich gut gemacht", wie Kercher sagt.

Bezahlt wird in der Regel mit Bitcoins, einer digitalen Internet-Währung, die in echtes Geld umgetauscht werden kann. Und die Ware wird nach Angaben der Ermittler einfach mit dem Paketdienst von DHL verschickt, weil das Unternehmen das engste Netz in Deutschland hat.

Allein das BKA führt nach Angaben von Ende Juli mehr als 80 Verfahren wegen Waffen- und Sprengstoffhandels im Darknet. Wie Kercher sagt, ist es derzeit schwierig, im deutschsprachigen Raum via Darknet an Waffen zu kommen. Das Warenangebot sei seit der Münchner Amoktat zurückgefahren worden. Die Anbieter wollten die Füße stillhalten, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen.

Insgesamt überwiege der Drogenhandel im virtuellen Schattenreich, gefolgt vom Handel mit gefälschten Elektronikartikeln, gefälschtem Schmuck und falschen Banknoten. Erst danach komme der Waffenhandel.

Der Aufwand der Ermittlungen im Darknet sei relativ hoch, sagt Kercher. Beim LKA Baden-Württemberg arbeiten in der Abteilung Cyberkriminalität 126 Fachleute. Das Darknet macht aber nur einen Teil ihrer Arbeit aus.