Die Berliner haben keinen Feiertag und somit nichts zu feiern, könnte man meinen. Tatsächlich allerdings haben dennoch einige, nach den letzten Statistiken gut 60 000 Hauptstädter, frei, weil ihr Arbeitsplatz in Brandenburg liegt. Und umgekehrt macht sich gut die dreifache Zahl von Brandenburgern am Montag wie an jedem normalen Werktag auf den Weg zur Arbeit und feiert allerhöchstens ein nettes Wiedersehen mit dem Nachbarn, weil der seinen Feiertag zu einem Ausflug nutzt. Der ist im Übrigen sehr oft mit einer Einkaufstour verbunden, und so ist der Gedenktag an die Rebellion des Theologen in den Einzelhandelszentren der Berliner Bezirke zu einem Hochamt des Umsatzes weiterentwickelt worden. Den brandenburgischen Einzelhandel also trifft das bisschen Extrafrei gleich doppelt – ein Tag gar kein Geschäft und anschließend zunächst auch mal etwas weniger. Der Reformationstag wäre ein schönes Beispiel für die Absurditäten, die entstehen, wenn stark verflochtene Wirtschaftsräume durch künstliche Verwaltungsgrenzen zerschnitten werden. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg hat in einer Pressemitteilung jetzt vorsorglich darauf aufmerksam gemacht, dass der eine oder andere Nachtschwärmer am Sonntagabend mit den letzten Verbindungen aufpassen sollte, weil möglicherweise nichts mehr fährt – allerdings nur im berlinfernen Raum, denn die Umlandverbindungen funktionieren natürlich nicht werktagsgemäß. Kein Problem mit dem Nachhause-Kommen werden immerhin die berlinfernen Brandenburger, die als Minister oder Staatssekretäre vom Steuerzahler einen Dienstwagen zur beliebigen Nutzung gestellt bekommen, haben. Um die Abrechnung dieses Privilegs gibt es jetzt allerdings einigen Ärger. Denn es soll dabei genau unterschieden werden zwischen dienstlicher Nutzung und privatem Gebrauch. Für Letzteres wären dann nämlich auch Steuern zu zahlen. Jetzt scheint man im Finanzministerium festgestellt zu haben, dass die Aufzeichnungen, die zumeist von den Fahrern getätigt werden, den finanzamtlichen Anforderungen nicht genügen. Bisher hat man da wohl gerne ein Auge zugedrückt – aber wer weiß, was Finanzbeamte alles genau wissen wollen, der würde sich wundern, wenn die nicht auch gerne den Terminkalender von Ministern studieren wollen.

PS. Natürlich wäre alles einfacher, wenn die Regierungsmitglieder auf Einzelabrechnung verzichten würden und pauschal bezahlten. Aber die müssen offenbar auch auf jeden Cent achten in solch unsicheren Zeiten. Sind ja auch schon einige in jüngster Zeit zum letzten Mal gefahren.