Denn dass sich auf den RUNDSCHAU-Artikel „Nur Brot und Margarine“ vom 28. Dezember sehr viele Leser meldeten und helfen wollten, drang zuerst nicht bis ins polnische Dörfchen Wieloblota. Ein Telefon können sich die Goreckis nicht leisten, die Post braucht lange. Und so staunten sie nicht schlecht, als auf einmal Pakete mit Lebensmitteln per Post eintrafen, von denen sie bislang nur träumen konnten. Denn bisher hatte die siebenköpfige Familie nicht genug zu essen, lebte in sehr ärmlichen Verhältnissen. Am Donnerstag vergangener Woche folgten dann auch noch die Spenden, die in der RUNDSCHAU-Redaktion abgegeben worden waren.

Gubener Ehepaar in Aktion
„Es war eine Überraschung. Aber eine sehr schöne. Dziekuje (Danke)“ , sagte fast beschämt Vater Ryszard Gorecki. Und es war nicht die erste. Als kurz vor Silvester Annerose und Heinz Traut aus Guben mit voll gepacktem Auto vor der Tür standen, wusste die Familie zuerst nicht, wie ihr geschah. Nur die vierjährige Agnieszka fasste schnell Zutrauen zu den Fremden und stürzte sich auf das Spielzeug. Das Schicksal der polnischen Familie hatte das Ehepaar so berührt, dass sie ganz direkt helfen wollten. Dass hier Hilfe bitter nötig war, war den Trauts sofort klar und so fuhren sie kurze Zeit später wieder hin. Diesmal gleich mit mehreren Transportern, denn ihre Initiative hatte sich schnell rumgesprochen und weitere Spendenwillige mobilisiert. Inzwischen verfügt die Familie über eine kleine Waschmaschine. Im Frühjahr wollen die Gubener wiederkommen und Farbe für die Wände mitbringen. Im Dunkeln müssen die Goreckis bald auch nicht mehr sitzen, denn die Trauts wollen d ie Stromrechnung für sie übernehmen.

Freude auch in Przytok
Der Besuch aus Deutschland weckte bei Großvater Jan Gorecki die Erinnerung an seine Kindheit. Denn er wurde 1944 in Deutschland geboren. Seine Eltern waren Zwangsarbeiter in Tifendorf. Bis heute hat er allerdings keine Geburtsurkunde, weiß noch nicht einmal, wo sich dieser Ort befindet.
Auch das Internat für lernbehinderte Kinder „Osrodek Szkolno-Wychowawczy“ in Przytok bekam am vergangenen Donnerstag einen Teil der zahlreichen Leser-Spenden. So schnell konnte man gar nicht schauen, wie die kleinen Knirpse den Kofferraum mit Paketen leer geräumt hatten. Internatsleiterin Justyna Borkowska musste die Kinder bremsen. Nur die fünf Bravsten durften einen ersten Blick in die verheißungsvollen Schachteln werfen. „Oh Nutella! Kekse!“ waren die begeisterten Aufschreie.
Justyna Borkowska freute sich besonders über Stifte, Blöcke und Zirkel. Denn an Lernmaterialien fehlt es besonders im Kinderheim. „Dankeschön“ und „Guten Morgen“ riefen die Kinder auf Deutsch zum Abschied.